Umfrage: Kein gutes Zeugnis für Kärntner Politik

26. Juli 2004, 09:01
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Mehr als die Hälfte fühlt sich mit FPÖ-SPÖ-Koalition im Wählerwillen nicht bestätigt - Strutz: Umfrageinstitut reihe sich in Schar der "Nestbeschmutzer"

Klagenfurt - Die Kärntnerinnen und Kärntner stellen der Landespolitik kein gutes Zeugnis aus. Mehr als die Hälfte fühlt sich im Wählerwillen nicht bestätigt, empfinden die FPÖ-SPÖ-Koalition als unglaubwürdig und sind mit der bisherigen Regierungsarbeit nicht zufrieden. Das ergab eine Umfrage des Humaninstitutes Klagenfurt.

Zwischen 12. und 22. Juli wurden landesweit 730 Personen befragt. Auf die Frage, ob sie mit der so rasch gebildeten blau-roten Koalition in ihrem Wählerwillen bestätigt worden seien, antworteten 57 Prozent mit nein und nur 15 Prozent mit ja. Die restlichen 25 Prozent hatten dazu keine Meinung.

Mit der bisherigen Regierungsarbeit der Koalition sind nur 17 Prozent zufrieden. 50 Prozent beantworteten die Frage mit nein, 33 Prozent mit "weiß ich nicht".

Reaktionen der Parteien: Strutz und Ambrozy attestieren der Koalition erfolgreich zu sein

Die Reaktionen der vier im Landtag vertretenen Parteien zur Umfrage des Klagenfurter Humaninstitutes über die FPÖ-SPÖ-Koalition im Lande und die bisherige Regierungsarbeit sind erwartungsgemäß unterschiedlich ausgefallen.

Die FPÖ/SPÖ-Koalition arbeite sehr erfolgreich für Kärnten, dies Arbeit werde sowohl von freiheitlichen als auch sozialdemokratischen Wählern "in einem breiten Maß" anerkannt, meinte FPÖ-Landesobmann Martin Strutz. "Die Koalition wird sich durch unseriöse Umfragen, die offenbar unter Einfluss der sommerlichen Hitze und des medialen Sommerloches entstanden sind, nicht beirren lassen", fügte er hinzu. Die FPÖ habe "äußerst positive Rückmeldungen" auf die Bildung der blau-roten Koalition in Kärnten. Die zahlreichen einstimmigen Beschlüsse die in den ersten 100 Tagen würden diesen Weg bestätigen.

Umfrageinstitut reihe sich in "Schar der Nestbeschmutzer und Krankjammerer

Das so genannte Humaninstitut reihe sich in die "Schar der Nestbeschmutzer und Krankjammerer des eigenen Bundeslandes" ein, offenbar in Ermangelung anderer positiver Betätigungsfelder. Strutz: "Die positiven Kräfte in Kärnten werden sich jedoch von derartigen negativen Aussagen, die auch an Seriosität zu hinterfragen sind, nicht beirren lassen. Die Messlatte für den Erfolg der politischen Arbeit in Kärnten ist allemal der Wähler. Er hat zuletzt am 7. März 2004 seine Meinung in sehr deutlicher Weise kundgetan und wird wieder in fünf Jahren über die Leistung der Parteien, der Regierung und seiner Mitglieder urteilen. Bis dahin wird unbeirrt von diversen Umfragen konsequent für Kärnten gearbeitet."

Ambrozy: Umfrage ist so ernst zu nehmen wie "Nessie"

Kurz, aber eindeutig der Kommentar von SPÖ-Vorsitzenden LHStv. Peter Ambrozy: "Diese Umfrage ist so ernst zu nehmen wie das Ungeheuer von Loch Ness." Auch für ihn arbeitet die Koalition "sehr erfolgreich".

Reaktionen von ÖVP und Grünen

Für ÖVP-Landesobmann LR Josef Martinz kommt im Ergebnis der Umfrage zum Ausdruck, dass die Wähler enttäuscht seien und ihr Wille mit der FPÖ-SPÖ-Koalition deshalb nicht erfüllt worden sei, weil "der Wahlkampf ganz anders abgelaufen ist". Dass er selbst als "kein großes Sorgenkind" angesehen werde, darüber "bin ich froh", sagte er.

Grün-Landessprecher Rolf Holub sieht mit der Umfrage seine Meinung bestätigt, dass "Blau-Rot nicht ein Wunsch der Kärntnerinnen und Kärntner ist. Die Leute wollten einen Wechsel an der Spitze des Landes, ihn aber hat es nicht gegeben". Daher auch die Unzufriedenheit mit der Landespolitik.

Weitere Umfrageergebnisse

Als "Sorgenkind" des siebenköpfigen Regierungskollegiums wird in der Umfrage Finanz- und Wirtschaftsreferent LHStv. Karl Pfeifenberger (F) angesehen. Er wurde - Mehrfachnennung war möglich - von nicht weniger als 77 Prozent der Befragten zur eindeutigen "Nummer eins" gekürt. Gerhard Dörfler (F) kam auf 61 Prozent, Reinhart Rohr (S) auf 55, Landeshauptmann Jörg Haider (F) auf 45, sein SPÖ-Vize Peter Ambrozy auf 32. Als die kleinsten "Sorgenkinder" wurden ÖVP-Landesrat Georg Martinz (20 Prozent) und SPÖ-Sozialreferentin Gabriele Schaunig-Kandut (18 Prozent) bezeichnet.

Auf die (offene) Frage (Mehrfachzuordnung war möglich), was spontan zur aktuellen Kärntner Politik einfällt, wurde die Antwort "Kein Interesse an der Politik, die durch die Koalition zwischen FPÖ und SPÖ unglaubwürdig geworden ist - Motto: zuerst Feinde, dann Freunde" mit 75 Prozent am meisten genannt. "Postenschacher und politischer 'Kuhhandel' wie in den Zeiten der großen Koalition feiern in Kärnten eine Neuauflage der besonderen Art", kam auf 71 Prozent, "Die Eventmanie in Kärnten soll die mageren Arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitischen Fortschritte überspielen" auf 68 Prozent, "Viele Hoffnungen, die in den politischen Wandel für Kärnten gesetzt wurden, sind auf allen Ebenen enttäuscht worden" auf 65 Prozent und schließlich "Kärnten braucht eine Regierung der besten und nicht beliebige Köpfe, um das Land wirtschaftlich und sozial weiter zu bringen" auf 57 Prozent. (APA)

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