Terror-Bericht dürfte US-Wahl kaum beeinflussen

24. Juli 2004, 20:20
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Analysten: "Wenn jeder schuld ist, ist niemand schuld" - "Demokraten werden nicht von Ergebnissen profitieren"

Washington - Der Bericht der US-Untersuchungskommission zu dem Anschlägen des 11. September 2001 wird Analysten zufolge kaum Auswirkungen auf die Präsidentenwahl im November haben. Da mit George W. Bush und Bill Clinton Präsidenten beider Parteien Versäumnisse vorgeworfen worden seien, werde der demokratische Herausforderer John Kerry kaum von den Ergebnissen profitieren, hieß es am Donnerstag nach der Veröffentlichung des Berichts. "Wie heißt es so schön, wenn jeder schuld ist, ist niemand schuld", sagte Carroll Doherty von dem Umfrageinstitut Pew Research Center in Washington.

Die aus Vertretern beider Parteien gebildete Kommission wirft der US-Regierung und den Geheimdiensten in dem Bericht Fehler vor. Sowohl der Regierung des republikanischen Amtsinhabers Bush wie auch der seines demokratischen Vorgängers Clinton werden schwere institutionelle Versäumnisse angelastet.

In jüngsten Umfragen liegt Kerry mit 46 Prozent vor Bush mit 44 Prozent. Auch nach den Enthüllungen über Geheimdienstpannen vor den Anschlägen trauen 56 Prozent der befragten US-Bürger Bush eher zu, den internationalen Terrorismus wirkungsvoll zu bekämpfen, verglichen mit 38 Prozent für Kerry. "Terrorismus ist das einzige Thema, bei dem der Präsident durchweg vorn liegt", sagte Doherty.

Calvin Jillson von der Southern Methodist University sagte, Bush könne in einem Punkt verwundbar sein: Die Kommission habe zahlreiche Verbindungen zwischen der radikalen Moslem-Gruppe El Kaida und dem Iran aufgezeigt, jedoch keine zum Irak. "Wer die Dinge nicht genau verfolgt, könnte sich fragen, ob wir das falsche Land angegriffen haben", sagte Jillson. Bush werde dies ansprechen müssen. Frank Newport vom Gallup-Umfrageinstitut wies jedoch darauf hin, dass der Kampf gegen den Terrorismus für die Bürger nicht das wichtigste Thema sei. "Das wichtigste Thema ist nach wie vor die Wirtschaft", sagte er.

Ende des Monats findet in Boston der Parteitag der Demokraten statt, auf dem Kerry und sein designierter Vize John Edwards formell zu Kandidaten ernannt werden sollen. Kerry hat die nationale Sicherheit zu einem seiner wichtigsten Wahlkampfthemen erklärt. (APA/Reuters)

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