Vorstand setzt Kostensenkungen durch

23. Juli 2004, 17:36
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Einsparvolumen von 500 Millionen Euro im Jahr - Jobs gesichert - Schröder spricht von "Sieg der Vernunft"

Stuttgart - Der DaimlerChrysler-Vorstand hat sich mit seinem Sparpaket von 500 Mio. Euro im Jahr durchgesetzt. Im Gegenzug vereinbarte er mit dem Gesamtbetriebsrat eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2012 für die Mitarbeiter in Deutschland, wie Vorstandschef Jürgen Schrempp in Stuttgart berichtete. Ziel der Verhandlungen sei der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte und Sicherung der Beschäftigung gewesen. Der Autobauer hat 160.000 Mitarbeiter in Deutschland.

"Modellcharakter"

Schrempp betonte, der gesamte Vorstand werde in Zukunft auf zehn Prozent seines Gehalts verzichten. Bundeskanzler Gerhard Schröder begrüßte die Einigung als einen "Sieg der Vernunft". Der Kompromiss von Vorstand, Betriebsrat und IG Metall werde zu einer Verstärkung der Konjunkturerholung und der Aufwärtsentwicklung beitragen, erklärte Schröder. "Einmal mehr hat sich das deutsche Modell der Sozialpartnerschaft und der Kultur des Miteinander in einer schwierigen Bewährungsprobe als überlegen und erfolgreich erwiesen." Schrempp sagte: "Die erreichte Einigung hat Modellcharakter für den Standort Deutschland."

Die heftig umstrittene so genannte Steinkühler-Pause von fünf Minuten pro Stunde bleibt erhalten, sie wird aber knapp zur Hälfte auf Weiterbildungszeiten angerechnet. Die höheren Schichtzuschläge bleiben vollständig bestehen. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm sagte, es sei zu keinem fundamentalen Eingriff in den Flächentarifvertrag gekommen.

Teilweiser Lohnverzicht

Der Gesamtbetriebsrat habe der Möglichkeit zugestimmt, dass die rund 20.000 Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung statt generell 35 Stunden in Zukunft bis zu 40 Stunden in der Woche mit Lohnausgleich arbeiten könnten. Dadurch müssen keine Überstundenzuschläge mehr bezahlt werden. Außerdem wurde im Zusammenhang mit dem Entgeltrahmen-Tarifvertrag ein teilweiser Lohnverzicht vereinbart, der sich aber erst in den kommenden Jahren auswirken soll.

Unternehmensleitung und Gesamtbetriebsrat schlossen ferner auch eine Vereinbarung über den Bereich Dienstleistungen. In diesem Bereich wird den Angaben des Betriebsrats zufolge die Arbeitszeit stufenweise auf 39 Stunden pro Woche angehoben. Die derzeit in Bereichen wie Kantine, Werksschutz und Druckerei Beschäftigten blieben mit ihrem bisherigen Einkommen abgesichert. Neueingestellte Mitarbeiter werden dann weniger verdienen.

"Weichen für Produktivitätssteigerungen"

Schrempp erklärte, mit der Vereinbarung seien die Unterschiede der Arbeitskosten zwischen den verschiedenen Werken in Deutschland minimiert worden. Mercedes-Chef Jürgen Hubbert sagte, die Vereinbarung stelle die Weichen für Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen und stärke so die langfristige Wettbewerbfähigkeit.

Nach Angaben Klemms wird das Nachfolgemodell der C-Klasse ab dem Jahr 2007 an den deutschen Standorten in Sindelfingen und Bremen gebaut sowie in Südafrika. Auch das Nachfolgemodell der E-Klasse werde wieder in Sindelfingen vom Band rollen. Die Motorenproduktion im Werk Stuttgart-Untertürkheim sei ebenfalls gesichert. Es sei auch ein Beitrag zur Sicherung des Standortes Mannheim geleistet worden. Hubbert sagte zu den Schichtzuschlägen und der Steinkühler-Pause, der Prozess der Abschaffung der baden-württembergischen Besonderheiten sei nicht mehr aufzuhalten. (APA/AP)

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