Der "Krone"-Herausgeber-Preis

14. September 2004, 11:08
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Auch Glaubenskriege haben ihre Kriegsgewinnler, und es ist nicht immer, wie man vielleicht glauben könnte, eine Seele ...

... die durch Beteiligung ihres Eigentümers am Kampf der Mächte des Lichts und der Finsternis ihr Heil gewinnt. In der gestrigen "Kronen Zeitung" ging es weit irdischer zu, als Hans Dichands Hauspoet sich einer delikaten Aufgabe unterwand und sie insofern bravourös löste, als es ihm gelang, aus der vatikanisch gelenkten Demütigung des St. Pöltner Oberhirten nicht nur Reime zu destillieren, sondern auch schnöden Mammon zu ziehen.

Delikat war die Aufgabe deshalb, weil es galt, in wenigen Versen gleichzeitig der religiösen Empörung vieler Leser und den herausgeberischen Interessen am St. Pöltner Diözesankolumnisten des Kleinformats gerecht zu werden. Für Wolf Martin kein Problem, längst hat er der Welt bewiesen, wie gut ihm der Lorbeer für poetische Verrenkungen im Dienste seines Herrn steht. Also dichtete er: Der Papst stellt, reagierend schnell,/ den Bischof unter Kuratel./ Die Diözese von St. Pölten/ kann als was ganz Besondres gelten./ Der Heil'ge Geist mög an der Traisen/ sich wirkungsmächtig nun erweisen!.

Da bleibt kein Auge trocken und jede Schuldfrage offen. Zwar hat Kardinal Schönborn bedauert, dass der Papst eben nicht reagierend schnell gehandelt hat, aber dass die Diözese von St. Pölten als was ganz Besondres gelten kann, ist seit langem Heilsgewissheit sogar des freiheitlichen Volksanwaltes. Es bleibt also durchaus offen, in welchem Sinne sich der Heil'ge Geist wirkungsmächtig erweisen möge, solange es nur im Sinne der "Kronen Zeitung" ist.

Daher fand sich unter dem weder literarisch noch moralisch besonders gelungenen Sechszeiler die klein gedruckte Notiz: Für diesen Vers hat der Autor den "Krone"-Herausgeber-Preis von 1000 €erhalten, der für besonders gelungene Leistungen vergeben wird.

Schade, dass erst ein Bischof entmachtet werden musste, auf dass die Welt von der Existenz dieses so großzügig dotierten "Krone"-Herausgeber-Preises erfahre. Unerforschlich sind eben die Wege des Herrn. Es wird auch nicht mitgeteilt, nach welchen Kriterien die besonders gelungenen Leistungen ermittelt werden. Der kolumnistische Leistungsträger Günther Nenning etwa hat entweder seine 1000 € bisher schwarz kassiert - oder sollten seine Litaneien zur höheren Ehre des Herausgebers von diesem noch nie als besonders gelungen empfunden worden sein?

Dabei bemüht er sich wirklich. Was immer er - Kurt Krenn - falsch gemacht hat, für mich steht die Tragik im Vordergrund. Für den Staatsanwalt eher Kinderpornographie im Internet, aber was soll 's. Der heilige Hippolyt, nach welchem St. Pölten seinen Namen hat, ist im Volksglauben der Schützer der Pferde, er passt auf, dass sie nicht durchgehen. Da hat der Visitator einen Patron für seine Säuberungsaktion. Der heilige Hippolyt hat leider als Patron schon versagt, als dem St. Pöltner Bischof die Seminaristen durchgingen, und der Visitator kommt aus Feldkirch, aber egal - wenigstens 100 € sollte Dichand für Günther Nenning ruhig einmal springen lassen.

Überhaupt könnte sich die "Krone" etwas intensiver für ihren Kolumnisten einsetzen. Die Beiträger von "Zur Zeit" zeigen da schon mehr von ihrem Charakter. Für Ewald Stadler etwa steht nicht die Tragik im Vordergrund, sondern Lug und Trug und der liberale Sündenfall des zweiten Vaticanums. Und Robert Prantner, ein regelmäßiger Mitarbeiter in Mölzers Postille, ist nach sorgfältiger Prüfung derselben Meinung, auch wenn ihm vor sieben Jahren an der katholisch-theologischen Fakultät der Uni Wien die Prüfungsvollmacht wegen mangelnder Qualifikation entzogen wurde. Diesen Anschlag auf den rechten Glauben hat man ihm vor zwei Jahren mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst versüßt.

Zu Recht, hat er doch den weltweiten Durchblick des Exorzisten. Die Weltbank ist ihm en passant eine Domäne der "Insider" alttestamentarischer Abstammung. Und die EU? Der Wurm an einem christlichen Grundsinn Europas nagt an Brüssel. Auch der antirömisch animierte Kommissar Dr. Fischler, der sich zum "Anti-Kirchenvolksbegehren" gegen die österreichischen Bischöfe bekannt hatte, zählt offenkundig zur Riege der Säkularisierer Frankreichs. Hätte er in diesen EU-Wahlkampf-Tagen geschwiegen, wäre er vielleicht ein Tiroler Philosoph geblieben. Allerdings nicht im "heiligen Lande Tirol" eines Andreas Hofer.

Knapp am "Krone"-Herausgeber-Preis vorbei! In Tirol kennt sich der Krenn-Fan besser aus, ist er doch auch Anhänger des antisemitischen Kultes um den Anderl von Rinn. Vom deutschen Informationsdienst gegen Rechtsextremismus war Prantner als heuriger Festredner genannt, obwohl der Innsbrucker Diözesanbischof Reinhold Stecher diese Hetzveranstaltung längst untersagt hat. Der war halt nicht aus Krenns Holz geschnitzt.
(DER STANDARD, Printausgabe, 23.7.2004)

Von Günter Traxler
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