"Der Eigentümer muss Geld in die Hand nehmen"

28. Juli 2004, 11:41
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Wolfgang Ulrich, Chef der Bank Burgenland, rechnet für heuer mit einem Verlust von "sechs bis sieben Millionen Euro"

STANDARD: Die landeseigene Bank Burgenland hat keinen guten Lauf: Die Privatisierung ist misslungen, die Hypo Alpe Adria als Käufer abgesprungen. 2004 wird mit einem Verlust enden. Wie sehen Sie als Sanierer die Lage?

Ulrich: Da muss man schon differenzieren und eine klare Linie ziehen zwischen Firmen- und Privatkundengeschäft sowie der Belastung aus den Swapgeschäften von 1999 und 2000. Außerdem haben wir Zinslosstellungen vorgenommen, das alles bringt hohe Belastungen. Aber im operativen Geschäft sind wir heuer positiv.

STANDARD: Diese Swaps kosten pro Jahr 14 Millionen Euro. Das können Sie doch nie verdienen, oder? Die Bank hat 2003 nur Gewinn geschrieben, weil ihr Wirtschaftsprüfer 8,3 Millionen Euro Schadenersatz zahlten.

Ulrich: Das stimmt, diese hohen Beträge können wir nicht verdienen, und außerordentliche Erträge wie im Vorjahr fallen heuer nicht an. Ich rechne daher für 2004 mit einem Verlust von sechs bis sieben Mio. Euro. Es macht gar keinen Sinn, dem Land Burgenland da etwas vorzumachen.

"Der Ulrich ist kein Wunderwuzzi"

STANDARD: Also ist die Sanierung gescheitert?

Ulrich: Aber nein. Es gibt aber halt leider wirklich keine Wunder, und der Ulrich ist kein Wunderwuzzi. Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Sanierung drei Jahre dauert. Ich bin seit 2001 im Haus, mit dem Aufräumen im Kreditgeschäft konnte ich erst im Herbst 2001 beginnen. Operativ sind wir schon gut unterwegs, hatten im Juni drei Mio. Euro Provisionserträge.

STANDARD: Wie lange dauert es, bis die Bank gesund ist?

Ulrich: Den Großteil unserer Hausaufgaben haben wir gemacht. Meine Mannschaft ist gut, mit der kann ich überall antreten. Das Firmenkundengeschäft haben wir saniert, und im Privatkundengeschäft beginnen wir gerade mit der Neustrukturierung. Im Firmenkundengeschäft haben wir im ersten Halbjahr Nettozuwächse von 90 Mio. Euro, bei den Privatkunden 26 Mio.

STANDARD: Auch Hom-Rusch, dessen Pleite die Bank fast umgebracht hat, war einmal ein Firmenkundenzuwachs.

Ulrich: Ich bitte Sie. Wir haben das Risiko voll im Griff, das ist sehr gering. Und beim Altgeschäft haben wir viel aufgeräumt, das war ja unsere Haupttätigkeit bis jetzt. In den vergangenen drei Jahren haben wir aus alten Krediten noch einmal 70 Mio. Euro wertberichtigt und insgesamt 40 Mio. Euro auflösen können. Außerdem haben wir nach dem Jahr 2000 zusätzlich rund 80 Mio. Euro zinslos gestellt. STANDARD: Was kostet Sie diese Maßnahme für Schuldner, die ihre Zinsen nicht bezahlen können? Ulrich: Sechs Mio. Euro im Jahr. Das, mit den 14 Swapmillionen, können wir eben nicht selbst verdienen.

STANDARD: Sie brauchen mindestens 30 Millionen Euro. Wer soll die zahlen?

Ulrich: Ich nenne keine Beträge. Der Eigentümer wird Geld in die Hand nehmen müssen, allenfalls mit einem Partner.

"Sehr schwierig, ein nicht saniertes Unternehmen zu verkaufen"

STANDARD: Warum ist die Privatisierung gescheitert?

Ulrich: Ich war nicht eingebunden, aber es ist halt sehr schwierig, ein nicht saniertes Unternehmen zu verkaufen.

STANDARD: Wer ist Ihr idealer Eigentümer?

Ulrich: Habe ich keinen. Aber das Land sollte mit einer Sperrminorität beteiligt an der Bank bleiben.

STANDARD: Wozu?

Ulrich: Die burgenländischen KMUs brauchen vernünftige Finanzierungen. Wiener Banker und Riskmanager können sich da nicht so einfühlen; die können sich nicht vorstellen, dass ein Unternehmen ohne Eigenkapital gut sein kann. Die Bank Burgenland kann und soll eine Funktion in der burgenländischen Wirtschaft haben - dafür könnte das Land eine Bank brauchen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.7.2004)

Zur Person:

Wolfgang Ulrich (65) ist seit 2001 im Bank-Burgenland-Vorstand. Davor war er 21 Jahre im Vorstand der Ersten, zwischendurch hat er die Hypo NÖ saniert. Sein Vertrag läuft bis Ende 2005.
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