Weiter keine Lösung im Daimler-Konflikt

23. Juli 2004, 06:54
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Offenbar Einigkeit über jährliche Einsparungshöhe von 500 Millionen Euro ab 2007 - Aber das Wie ist noch offen - Betriebsrat droht mit Protesten

Stuttgart - Im erbitterten Konflikt um das 500-Millionen-Euro-Sparprogramm bei DaimlerChrysler haben Vorstand und Betriebsrat am Donnerstag weiter um eine Lösung gerungen. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen sind vor allem die Laufzeit von Standortgarantien, Pausenregelungen und Spätschichtzuschläge umstritten. Der Gesamtbetriebsrat drohte den Protest von mehreren zehntausend Beschäftigten am Freitag an, sollte es keine Einigung geben.

"Wasserdichte Vereinbarungen"

Ein Sprecher der Gewerkschaft IG Metall sagte in Stuttgart, die Arbeitnehmerseite wolle im Poker um die geforderten Kostensenkungen wasserdichte Vereinbarungen für mehrere Jahre erreichen. Hart umkämpft sei aber die Finanzierung einer Gesamtlösung. Bewege sich der Vorstand nicht, würden allein im Hauptwerk Sindelfingen rund 20.000 Mitarbeiter vorübergehend die Produktion lahm legen. Beide Seiten hatten in den vergangenen Tagen aber stets ihren Einigungswillen betont.

"Die Frage ist, was sind uns langfristige Beschäftigungsgarantien und Investitionsentscheidungen wert", meinte der IG Metall-Sprecher. Der Konzern ließ erklären, die Spitzengespräche in der Zentrale in Stuttgart-Möhringen verliefen konstruktiv. Dies wies die IG Metall zurück. "Die Gespräche sind nach wie vor schwierig. Das schön zu reden, ist verantwortungslos", kritisierte der Sprecher.

Für das Unternehmen saßen seit Donnerstagmorgen Mercedes-Chef Jürgen Hubbert und Personalvorstand Günther Fleig am Verhandlungstisch. Die 160.000 Beschäftigten in der Mercedes Car Group wurden von Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm und IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann vertreten. Die Verhandlungen waren in der Nacht zum Donnerstag nach 13 Stunden unterbrochen und am Morgen fortgesetzt worden.

6.000 Arbeitsplätze wackeln

Der Konzernvorstand verlangt in Sindelfingen von 2007 an eine Senkung der Arbeitskosten um jährlich 500 Mio. Euro. Andernfalls soll die Produktion der neuen Mercedes-C-Klasse und ihrer Varianten vor allem ins Werk Bremen verlagert werden. Dies würde in Sindelfingen 6.000 der über 30.000 Stellen kosten.

Nach dpa-Informationen ist in den Verhandlungen das angestrebte Sparvolumen von 500 Mio. Euro im Kern nicht mehr das Problem. Allerdings hätten beide Seiten unterschiedliche Vorstellungen, wie dieses Ziel erreicht werden könne, hieß es in hochrangigen Kreisen.

Der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte der "Berliner Zeitung" (Donnerstag), nur durch massive Kostensenkungen könne Mercedes seine führende Position in der Premiumklasse dauerhaft behaupten.

"Steinkühler-Pause" soll abgeschafft werden

Der Konzernvorstand fordert nach Angaben aus dem Betriebsrat nach wie vor die Abschaffung der symbolträchtigen "Steinkühler-Pause" (fünf Minuten je Arbeitsstunde) und der Spätschichtzuschläge. Bei diesen Knackpunkten würden sich die Arbeitnehmervertreter aber nicht unterwerfen.

Der Gesamtbetriebsrat verlangt vom Vorstand im Gegenzug für finanzielle Einbußen der Beschäftigten eine Standortgarantie für die betroffenen Hauptwerke Sindelfingen, Stuttgart-Untertürkheim und Mannheim mindestens bis zum Jahr 2012. Zudem solle die gesamte leitende Führungsebene des nach Umsatz größten deutschen Unternehmens auf Gehalt verzichten.

Weitgehend einig sollen sich beide Seiten über die Einführung der 40-Stunden-Woche für rund 20.000 Beschäftigte in Forschung und Entwicklung gegen Mehrbezahlung sein. Zudem soll ein Tarifvertrag für Dienstleister unterzeichnet werden, wonach Arbeitnehmer in Kantinen, Druckereien und Werksschutz weniger verdienen würden als Metaller in der Autoproduktion. (APA/dpa)

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