dag: Musikantenstreich

23. Juli 2004, 19:41
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Täglich ist nachzuhören, wie eng Musik und Verbrechen beisammen liegen können

Täglich ist nachzuhören, wie eng Musik und Verbrechen beisammen liegen können. Aber das Urlaubserlebnis eines Wiener Juristen in Lissabon stellt wohl den bisherigen Höhepunkt der Verschmelzung dar.

Ein Straßenmusikant gab, wo Passanten ohnehin vorbeimussten und gnädig stehen blieben, gerade sein vermutlich Bestes, als ein Mann in der Menge plötzlich zu laufen begann - und ein Tourist seinen Leib abtastete, weshalb: Weil seine Geldbörse fehlte. Sofort verstummte die Musik. Der Liedermacher ließ die Gi- tarre fallen und nahm wild die Verfolgung des Diebes auf. Das beeindruckte die Zuhörer, denn oft sagt man den Künstlern zarte Besaitung und Realitätsfremde nach. Und es kam noch besser: Nach zehn Minuten tauchte der Musiker keuchend wieder auf. Unter beherztem Applaus überreichte er dem Touristen die volle und vollständige Geldbörse, ergriff die Gitarre, spielte portugiesisch "Streets of London" - und wurde reich beschenkt.

Eine Stunde später und drei finstere Ecken weiter sah der Wiener den Musikanten wieder. Da teilte dieser sein Trinkgeld mit einem Zweiten. Auch jenen Mann erkannte der Beobachter sofort: Es war der Geldbörsendieb. (Daniel Glattauer, DER STANDARD Printausgabe 23.7.2004)

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