Das Telegramm ist eine Frage des Stils

28. Juli 2004, 11:50
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Wie Austrias Betreuer das 0:0 in Mattersburg Frank Stronach beibringen könnten

Mattersburg - Da standen sie nun, in der Ecke gleich neben dem Eingang zur Gästekabine, und ihr Mienenspiel war nicht entspannt. Drinnen versuchte Lars "Spartentrainer" Söndergaard zu tun, was geboten schien: Köpfe waschen. Heraußen, in der Ecke, analysierten flüsternd Andreas Rudas und Günter Kronsteiner so intensiv und ineinander versunken, als wollten sie sich nicht nur darüber klar werden, was passiert war, sondern auch darüber, wie sie das Frank Stronach mitteilen sollen.

Die Austria und Mattersburg hatten sich im Pappelstadion 0:0 getrennt. Mit dem Ergebnis waren die Violetten hochzufrieden. Nicht nur, weil sie im Frühjahr mit dem 1:4 hier ihre Titelambitionen vergurkt haben, sondern weil sie ja selbst sahen, welch erbärmliche Leistung da hingelegt worden ist vor 13.600 Zuschauern. Kronsteiner versuchte erst gar nicht, irgendetwas daran schönzureden. Den einen Punkt akzeptierte er als Himmelsgeschenk, "verdient haben wir ihn nicht". Im Gegenteil: "Mattersburg hätte den Sieg verdient." Auf die Frage, ob er in irgendeinem Augenblick des Spiels das Gefühl gehabt habe, die Austria könne gewinnen, antwortete er ohne zu zögern: "Nein." Rudas nickte bedauernd dazu.

Mit Ausnahme der jeweiligen Schlussminuten der beiden Halbzeiten war die Austria sozusagen nicht präsent, vor allem das Mittelfeld die Karikatur seiner selbst. Das von Trainer Muhsin Ertugral neu eingeübte 4-4-2 schnürte die Violetten regelrecht ein. Anders als beim 4:1 im Frühjahr, bei dem ein frühes Tor den Weg ins Kontern öffnete, erzeugten diesmal Kühbauer, Kausich, Mörz und der Neuzugang aus Südafrika, Jabu Pule, lange anhaltenden - nicht nur kämpferischen, sondern phasenweise wirklich spielerischen - Druck, der die Austria in so manche Verlegenheit brachte. In mehr freilich auch nicht, was die Zufriedenheit von Ertugral naturgemäß trübte, weshalb er im eher Allgemeinen Trost suchte: "Gerechtigkeit gibt es eben nicht im Fußball."

Rudas ist, das weiß man, ein PR-Genie. All das bedenkend, was er gesehen und von Kronsteiner gehört hatte, formulierte er in seiner Ecke schon am Telegramm nach Kanada. Zwar habe auch er nie das Gefühl gehabt, die inferiore Austria, die im Mittelfeld kaum einen Zweikampf gewann und wenn, dann mit einem Fehlpass fortsetzte, könne die Partie gewinnen. "Aber", so hielt er fest, "ich habe auch nicht das Gefühl gehabt, sie könne verlieren." Die 25. (Pule), 35. (Fülöp), 40. (Kausich), 46. (Fülöp), 66. (René Wagner) und 80. Minute (Pule) müssen in der Meldung an Stronach ja nicht ausgeschildert werden.(Wolfgang Weisgram, DER STANDARD Printausgabe 23. Juli 2004)

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