Belgrad erlässt Haftbefehl gegen "Krajina-Präsidenten" Hadzic

24. Juli 2004, 12:13
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Kroatischer Serbenführer nach UNO-Anklage möglicherweise untergetaucht

Belgrad - Die für Kriegsverbrechen zuständige Abteilung des Belgrader Kreisgerichts hat am Donnerstag einen Haftbefehl gegen den früheren "Präsidenten" der selbst proklamierten "Republika Srpska Krajina" (1991-1995) in Kroatien, Goran Hadzic, erlassen. Das berichtete die Tageszeitung "Danas". Der Haftbefehl erging demnach auf Geheiß eines Untersuchungsrichters, nachdem die Polizei Hadzic an seinem Wohnsitz in der nordserbischen Provinz-Hauptstadt Novi Sad (Vojvodina) verhaften wollte, ihn dort aber nicht antraf. Hadzic soll sich aber weiterhin in Serbien-Montenegro aufhalten.

Verfolgung

Hadzic wird die Verfolgung von "Nicht-Serben" auf Grund ihrer Rasse, Religion und politischen Meinung angelastet - ferner Versuche, mehrere hundert Kroaten und Nichtserben zu ermorden. So soll er mitverantwortlich für ein Massaker auf dem Landgut Ovcara bei Vukovar im November 1991 tragen, bei dem mindestens 200 kroatische Gefangene umgebracht wurden. Die Anklage des Haager Tribunals bezieht sich auch auf Zwangsfestnahmen, Misshandlungen von Gefangenen in Lagern, sowie die Plünderung von Eigentum.

Chefanklägerin

Die Chefanklägerin des UNO-Tribunals, Carla del Ponte, hatte den Belgrader Behörden am Montag vorgeworfen, die Flucht des mutmaßlichen Kriegsverbrechers zugelassen zu haben, nachdem Anklage und Haftbefehl vorige Woche aus Den Haag an die Polizei in Belgrad ergingen. 17 Stunden nach Erhalt der Dokumente habe Hadzic sein Haus in Novis Sad verlassen, so del Ponte. Der serbische Innenminister Dragan Jocic gab daraufhin an, "keine Information" über die vermeintliche Flucht des früheren kroatischen Serbenführers zu haben.

15 Angeklagte in Serbien-Montenegro untergetaucht

Hadzic' Schwester hatte vergangene Woche angegeben, ihr Bruder befinde sich mit seiner Familie in Novi Sad. Seine Frau erklärte allerdings, er sei im Urlaub. Nach Informationen des UNO-Tribunals dürften sich zur Zeit 15 von Den Haag Angeklagte in Serbien-Montenegro verstecken. Laut der Chefanklägerin ist Hadzic der zweite Angeklagte seit Ende des Vorjahres, der sich aus dem Staub gemacht hat, nachdem die Polizei einen Haftbefehl aus Den Haag erhalten hat. (APA)

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