EU setzt auf "Pharming"-Gen-Pflanzen als Arzneimittel

28. Juli 2004, 12:29
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Es geht um die Gewinnung von Impfstoffen gegen Aids, Tollwut, Tuberkulose

Brüssel - Die EU-Kommission setzt ihre Hoffnungen im Forschungsbereich auf das "Pharming". Durch gentechnische Veränderungen sollen aus Pflanzen Antikörper und Impfstoffe gegen Krankheiten wie Aids, Tollwut oder Tuberkulose gewonnen werden. Ein Konsortium von 39 Forschungsteams aus Europa und Südafrika soll bei dem mit zwölf Millionen Euro geförderten EU-Projekt Fachwissen aus Immunologie und Botanik optimieren, teilte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel mit.

Erstes Produkt aus Maispflanzen

Erstes mögliches Produkt des integrierten EU-Projekts könnte ein möglicherweise aus Maispflanzen gewonnener Antikörper zur Neutralisierung des Aids-Virus sein. Dieser könnte beispielsweise in einer einfach anzuwendenden antibiotischen Salbe verwendet werden, um die HIV-Übertragung zu blockieren, so die EU-Kommission. Danach käme ein monoklonaler Antikörper gegen Tollwut, die jährlich immer noch bis zu 70.000 Todesfälle fordert.

Vorteile des "Pharming" sind vor allem die niedrigen Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen und Antikörpern. Derzeit werden dafür Zellkulturen oder Mikroorganismen wie Bakterien verwendet. Mit diesen arbeitsintensiven und teuren Verfahren könne aber nur relativ geringe Mengen pharmazeutischer Produkte erzeugt werden. Pflanzen dagegen sind billig und können so "behandelt" werden, dass sie ein bestimmtes Arzneimittelgen enthalten, und große Mengen Arzneimittel oder Impfstoffe zu niedrigen Kosten liefern.

Weitere Kandidaten: Tabak und Tomaten

Das Konsortium "Pharma-Planta" hat zwar noch nicht entschieden, welche Pflanzen verwenden werden, aber bisher zeichnen sich Mais, Tabak und Tomaten als wahrscheinliche Kandidaten ab. Präferenz genießen Pflanzen mit den gewünschten Proteinen für die Erzeugung so genannter "immuntherapeutischer Biomoleküle" - die sich vor allem in Samen in hohen Mengen finden und leicht ernten lassen. Erste klinische Versuche soll es bis Ende des Finanzierungszeitraums im Jahr 2009 geben.

Das Projekt steht unter Federführung des Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Ökologie in Aachen, wird vom St. George's Hospital Medical School in London wissenschaftlich koordiniert. Zum Arbeitsprogramm von Pharma-Planta gehört übrigens auch die Entwicklung sicherer Methoden und Produktionsstätten. (Apa)

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