Der Mohn ist aufgegangen

29. Juli 2004, 14:32
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Ein ganzes Dorf im Mohnrausch: Armschlag im Waldviertel

Normalerweise ist die Pracht Mitte Juli schon wieder vorbei, aber heuer legen erst jetzt Wiesen und Wegränder ihr rotes Kleid an: Der Mohn blüht!

Keine andere Pflanze trägt eine derartige Ambivalenz in sich: Das zarte Erscheinungsbild des Mohns spricht der Macht seiner Wirkstoffe Hohn, und das flammende Rot der seidigen Blütenblätter signalisiert gleichzeitig ein lockendes "Nimm mich!" und die Warnung "Vorsicht, Gefahr!". Bei keinem Stoff in der Natur liegen medizinische Wirkung, psychotrope Stimulation und tödliche Wirkung bei Überdosierung so nahe beieinander wie bei dieser uralten Nutzpflanze.

Der lateinische Name des Mohns, Papaver, leitet sich von den keltischen Begriffen "papa" (Brei) und "vernum" (echt) ab. Allerdings ist der Realitätsbezug nach dem Genuss von Schlafmohn (Papaver somniferum), einer von über 100 Mohnsorten, höchst zweifelhaft: Sein Milchsaft, der mehr als 40 verschiedene Alkaloide enthält, dient als Basis für Opium, Morphium und Heroin.

Für private Gärten empfehlen sich aber ohnedies andere Arten, allen voran der spektakuläre Türkische Mohn (Papaver orientale), dessen Blüten bis zu zehn Zentimeter Durchmesser erreichen. Kleiner, aber ebenso farbintensiv sind Islandmohn (Papaver nudicaule) und Alpenmohn (Papaver alpinum). Anders als der wild wachsende Klatschmohn (Papaver rhoeas) sind diese Arten mehrjährig.

Wer sich in natura von Schönheit (und Geschmack) des Mohns überzeugen will, der/dem sei ein Besuch im niederösterreichischen "Mohndorf" Armschlag empfohlen, wo dieser Tage die rot-weiß-lila Blüte des Waldviertler Graumohns beginnt. (Marie-Therese Gudenus , Der Standard, Printausgabe vom 17./18.7.2004)

"Mohntelefon": (02872) 742 10

"Mohndorf

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    Mohnblumenfeld im Armschlag

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