Hautkrebs: Grazer Mediziner ermitteln bösartige Fälle per Computer

29. Juli 2004, 14:21
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Revolutionäres Verfahren durch interdisziplinäre Kooperation an Medizinischer Universität Graz - Computergestützte Früherkennung

Ein Verfahren, das mit digitaler Bildverarbeitung eine vereinfachte Früherkennung von Hautkrebs ermöglicht, ist an der Medizinischen Universität Graz entwickelt worden. In einer automatischen Analyse können bösartige Fälle mittels Computer von gutartigen unterschieden werden. Damit gibt es erstmals ein Verfahren, das auf einer objektiven Wertung der Beurteilungen "gutartig" und "bösartig" basiert, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung der Medizinischen Universität. Vorsorgeuntersuchungen sollen damit schneller durchgeführt und die Früherkennung optimiert werden können.

Wesentlicher Faktor in der Heilung von Melanomen ist die Früherkennung. Daher ist weitgehendes Screening zumindest der gefährdeten Risikotypen anzustreben. Der Grazer Hautspezialist Josef Smolle an der Universitätsklinik für Dermatologie und Marco Wiltgen, Experte für medizinische Bildverarbeitung am Institut für Medizinisches Informatik, Statistik und Dokumentation, entwickelten ein automatisiertes, computergestütztes Verfahren, das eine objektive Bewertung von gut- und bösartigen Pigmenttumoren ermöglicht. Das wird möglich, weil sich diese Fälle bei der mikroskopischen Aufnahme im Erscheinungsbild unterscheiden.

"Dieses Verfahren, das weltweit nur in Graz angewandt wird, hat sich bisher in wissenschaftlichen Vergleichsstudien bestens bewährt. Nicht nur, dass die Analyse nach objektiven Bewertungskriterien erfolgt, sind die Ergebnisse zu beinahe zu 100 Prozent zuverlässig bei gleichzeitig verkürztem Diagnoseprozess", erklärt Smolle.

"Durch den enormen Fortschritt in der digitalen Bildverarbeitung kamen wir zu den Überlegungen, Muttermale digital zu erfassen und anhand einwandfreier, objektiver Kriterien zu analysieren", erläutert Wiltgen die Überlegungen, die zu dem neuen Verfahrensansatz führten. Im Grazer Verfahren wird das verdächtige Muttermal wie üblich entfernt, speziell präpariert, anschließend gefärbt und mit einer Digitalkamera direkt vom Mikroskop aufgenommen. In der Auswertung unterscheiden sich die gutartigen Nävi von den bösartigen Melanomen in ihrem Erscheinungsbild.

Um Merkmale von den digitalen Bildern zu gewinnen, die die verschiedenen Fälle in ihrem Erscheinungsbild beschreiben, wird zuerst die Häufigkeit der Grauwerte - das so genannte Histogramm - bestimmt. Je verteilter die Grauwerte sind, desto kontrastreicher ist das Bild. Ein anderes mathematisches Werkzeug, um die mikroskopischen Aufnahmen zu beschreiben und Merkmale zu gewinnen, ist die Grauwertübergangsmatrix. Die Bilder der einzelnen Fälle werden durch ein digitales Bildanalysesystem ausgewertet. Bei diesem System werden zuerst die Merkmale bestimmt, dann die analysierten Fälle klassifiziert. Je nach den aus den Bildern gewonnenen Merkmalen können die Hautproben in gutartige und bösartige Pigmenttumore eingeteilt werden. (APA)

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