Wenn Menschen leidend sterben

28. Juli 2004, 13:34
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WHO-Studien orten Todeseintritt unter Qualen - schneller Ausbau der Palliativpflege gefordert

Wien - Viele Menschen in Europa sterben unter unnötigen Schmerzen und Qualen, weil die Gesundheitssysteme nicht über ausreichende Fähigkeiten und Angebote für die Pflege am Lebensabend verfügen. Zu dieser Feststellung gelangten zwei am Donnerstag vorgestellte WHO-Studien.

Obwohl Palliativpflege durch Früherkennung und -behandlung von Schmerzen und anderen Gesundheitsbeschwerden einen dramatischen Unterschied in der Lebensqualität von Sterbenden und ihren Angehörigen bewirken kann, werde die Palliativpflege durch die meisten Gesundheitssysteme der Region zu wenig unterstützt. Es gebe zu wenige Ausbildungsmöglichkeiten für Gesundheitsfachkräfte, die Patienten hätten zu wenige Pflegeangebote und die Forschung verfüge für dieses Gebiet nur über verschwindend kleine Budgets.

In den meisten Ländern vernachlässigt

"Palliativpflege wird in den meisten Ländern im Großen und Ganzen vernachlässigt. Was erforderlich wäre, ist ein sozialer und politischer Impuls," sagte Dr. Agis Tsouros, Leiter des Zentrums für Gesundheit in Städten beim WHO-Regionalbüro für Europa.

Dabei würden Untersuchungen aus Europa und den Vereinigten Staaten zeigen, dass 75 Prozent der Menschen zu Hause sterben möchten, aber nur 18 bis 32 Prozent erhalten dazu die Gelegenheit. Wo Palliativpflege angeboten wird, werden einige Gruppen - unter anderem alte Menschen, Kinder, weniger Wohlhabende und Angehörige ethnischer Minderheiten - häufig ausgeschlossen, erklärte die WHO.

WHO fordert neue Grundsatzmaßnahmen

Die Weltgesundheitsorganisation forderte daher neue Grundsatzmaßnahmen, die den Bedürfnissen alternder Bevölkerungen besser gerecht werden und deren Mitglieder mit einer Reihe schwerer Krankheiten leben und an ihnen sterben. Palliativpflege sollte zu einem Kernstück der Gesundheitsversorgung statt zu einem Zusatzangebot gemacht werden. Die WHO tritt dafür ein, dass das Recht der Menschen auf hochwertige Palliativpflege anerkannt wird, einschließlich der Berücksichtigung des Ortes für die Pflege und den Tod.

Ausbildungsförderung

Zudem sollte die Ausbildung zu Palliativpflege gefördert werden, insbesondere die Schmerz- und Symptombehandlung und die kommunikativen Fähigkeiten. Die Öffentlichkeit sollte mit dem Bereich vertrauter werden und die Leistungen von Familien und Pflegenden anerkannt sowie unterstützt werden.

Die beiden Veröffentlichungen "Palliative care: the solid facts" und "Better palliative care for older people" untersuchten die Auswirkungen einer alternden Weltbevölkerung und sich ändernder Krankheitsmuster. Es wurde berechnet, dass sich bis 2050 der Anteil der Menschen über sechzig Jahre in den Entwicklungsländern von zehn auf 20 Prozent und in den Industrienationen von 18 auf 35 Prozent verdoppeln wird.

Für das Jahr 2020 werden als Haupttodesursachen von Menschen über sechzig Jahre fünf chronische Erkrankungen vorausgesagt: Herzkrankheiten, zerebrovaskuläre Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Infektionen der unteren Atemwege und Lungenkrebs. (Apa)

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WHO

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