Telekom Austria - Sundt sieht Mobiltel-Kauf eher 2005 als heuer

29. Juli 2004, 13:21
posten

Derzeit "selektive Gespräche", ab September Verhandlungen erwartet - Telekom-General: Serbische Mobtel "eine Option"

Die börsenotierte Telekom Austria (TA) führe für die geplante Südosteuropaexpansion derzeit "selektive Gespräche" mit den Eigentümern der bulgarischen Handyfirma Mobiltel über einen Mehrheitseinstieg, sagte TA-Generaldirektor Heinz Sundt am Donnerstag am Rande eines Pressegesprächs . Mit konkreten Verhandlungen sei in den nächsten Wochen, voraussichtlich ab September, zu rechnen. "Ich rechne bei positivem Verlauf mit einem Closing aber eher im Jahr 2005 als 2004", sagte Sundt.

Kein Zeitdruck

Die TA werde sich in den nächsten Wochen den aktuellen "Marktstatus" der Mobiltel anschauen und eine neue due diligence-Prüfung durchführen, berichtete Sundt. Die TA sei bei den Verhandlungen aber "nicht unter Zeitdruck". Man werde "pragmatisch" vorgehen. Der Aufwand der Verhandlungen sei jedenfalls "nicht zu unterschätzen". Eine Übernahme werde es aber - wie schon früher kommuniziert - nur geben, wenn die Mehrheit verfügbar sei.

"Natürlich wird ein Unternehmen wie die Mobiltel mit hohem Marktwert nicht weniger wert geworden sein"

Zu dem von Analysten häufig vorgebrachten Einwand, dass die Mobiltel vor Monaten noch billiger zu haben gewesen wäre, meinte Sundt: "Natürlich wird ein Unternehmen wie die Mobiltel mit hohem Marktwert nicht weniger wert geworden sein". Der Handynetzbetreiber nehme jedenfalls eine gute Entwicklung.

Privat

Der bulgarische Mobilfunkbetreiber, der bisher österreichischen Investoren um den Industriellen Josef Taus und die BAWAG gehörte, war Anfang Juli um 1,2 Mrd. Euro zu 100 Prozent an ein aus Altaktionären und Finanzgesellschaften bestehendes Konsortium verkauft worden. 40 Prozent der Mobiltel gehören nun sieben Private Equity-Gesellschaften um ABN Amro Capital, Citigroup Investments und CVP, weitere 40 Prozent gehören dem Geschäftsmann Martin Schlaff, je 10 Prozent dem Industriellen Hans Taus und dem Unternehmensberater Herbert Cordt.

Angebot im Oktober 2003 gelegt

Die TA hatte bereits Anfang Oktober 2003 für die Mehrheit der Mobiltel ein Angebot gelegt, die Gespräche über einen Einstieg dann aber im Spätherbst abgebrochen, weil die Mobiltel-Eigentümer nach TA-Informationen damals nur eine Minderheitsbeteiligung verkaufen wollten. Die "Kriegskasse" der TA für Akquisitionen ist letzten Angaben zufolge rund 500 Mio. Euro schwer.

Bulgarischer Marktführer

Die Mobiltel ist Marktführer am bulgarischen Handymarkt und betreut rund 2,7 Mio. Kunden. Der Marktanteil bei Kunden beträgt 68 Prozent, gemessen an den Gesprächsminuten 80 Prozent. 2003 wurde mit 2.170 Mitarbeitern ein Umsatz von 432 Mio. Euro und ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) von 272 Mio. Euro erzielt. Die Marktdurchdringung in Bulgarien betrug 2003 rund 44 Prozent.

Eine Option

Neben einem Einstieg bi Mobiltel sei auch die serbische Mobtel "eine Option, die wir im Auge haben", sagte Telekom Austria-Generaldirektor Heinz Sundt weiter. Allerdings hapere es dort noch an der Rechtssicherheit: "Das ist das größte Problem in diesen Ländern", so Sundt.

Bei der Mobtel bedürfe es daher noch einer "Phase der rechtlichen Klärung" der Eigentumsverhältnisse, erläuterte Sundt. "Hier braucht es noch eine gewisse Entwicklung, um die Unwägbarkeiten auszuräumen".

Strittige Verhältnisse

Die Besitzverhältnisse der Mobtel sind schon länger strittig. Die serbische Unternehmerfamilie von Bogoljub Karic hält laut offiziellen Angaben 51 Prozent am serbischen Mobilfunkbetreiber, der Rest gehört der staatlichen Post. Laut einem Expertengutachten, das vor kurzem von der serbischen Regierung akzeptiert wurde, soll sich der Anteil der Familie Karic aber nur auf gut 41 Prozent belaufen. Karic wirft dem serbischen Finanzminister Mladjan Dinkic vor, Mobtel ruinieren zu wollen, um das Unternehmen möglichst billig verkaufen zu können.

Mobtel wird indes vom serbischen Staat zur Kasse gebeten. Nach Angaben des Leiters der Steuerbehörde, Vladimir Ilic, muss das Unternehmen an den Staat 2,8 Mrd. Dinar (41,1 Mio. Euro) an Steuern einschließlich Zinsen entrichten. Diese einmalige so genannte "Gewinnlersteuer" wird seit 2001 von Firmen und Privatpersonen kassiert, die unter dem Regime von Slobodan Milosevic besondere Begünstigungen genossen haben. Die Familie Karic gehörte zu den größten Nutznießern des früheren Regimes.

Überwiesen

Laut Ilic wurden gestern, Mittwoch, vom Mobtel-Konto 700 Mio. Dinar (10,27 Mio. Euro) an das Regierungsbudget überwiesen. Mobtel muss die Steuer als Nachfolgeunternehmen der in Konkurs gegangenen Astra-Bank bezahlen, die der Familie Karic gehörte. Das Handelsgericht in Belgrad hatte Ende Mai die Einhebung der Steuer gestoppt. Das Verfassungsgericht entschied letzte Woche jedoch, dass das Gericht dazu nicht berechtigt gewesen sei und die Steuereinhebung in ausschließlicher Kompetenz der Steuerbehörde liege. (APA)

  • Artikelbild
Share if you care.