Freispruch für alle Angeklagten im Mannesmann-Prozess

28. Juli 2004, 18:42
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Keine Verurteilung wegen Millionenzahlungen bei Mannesmann-Übernahme

Im Mannesmann-Prozess sind am Donnerstag der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und alle anderen Angeklagten freigesprochen worden. "Die Angeklagten werden freigesprochen", sagte Richterin Brigitte Koppenhöfer am Donnerstag bei der Urteilsverkündung in Düsseldorf. Damit entlastete die Strafkammer die Beschuldigten vom Untreue-Vorwurf im Zusammenhang mit den Millionenzahlungen während der Übernahme des Konzerns durch Vodafone.

Sechsmonatige Hauptverhandlung

Wegen der Prämien und Abfindungen mussten sich in der sechsmonatigen Hauptverhandlung neben Ackermann auch Ex-Konzernchef Klaus Esser und der ehemalige IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel verantworten. Die Anklage hatte teils Haftstrafen ohne Bewährung gefordert.

Freisprüche keine Überraschung

Die Freisprüche waren erwartet worden, nachdem das Gericht den Angeklagten bereits Ende März in einer Zwischenbilanz Straffreiheit in Aussicht gestellt hatte. Die Staatsanwaltschaft kann gegen die Freisprüche nun innerhalb einer Woche Berufung beim Bundesgerichtshof einlegen. Bereits nach dem Rechtsgespräch verlautete aus der Behörde, dass die Strafverfolger einen solchen Schritt genauestens prüfen wollen.

In dem spektakulären Prozess ging es um insgesamt 57 Mio. Euro, die im Zuge der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone Anfang 2000 an amtierende und frühere Vorstände des Düsseldorfer Konzerns geflossen waren.

Die Staatsanwälte hatten für die Manager und Gewerkschafter Haftstrafen bis zu drei Jahren, zum Teil ohne Bewährung, gefordert. Nach der Beweisaufnahme hielten es die Ankläger unter anderem für erwiesen, dass die vom Mannesmann-Aufsichtsrat gebilligten Zahlungen nicht im Interesse des Konzerns gelegen hätten.

"Verschwörungstheorie"

Im Gegenzug hatten die Verteidiger den Staatsanwälten in dem Verfahren vorgeworfen, trotz besseren Wissens an einer "Verschwörungstheorie" um die Zahlungen festzuhalten. Die Anerkennungsprämien für Esser und fünf weitere Mannesmann-Vorstandsmitglieder sowie die Pensionsabfindungen für frühere Manager des Konzerns seien weder aktienrechtlich noch strafrechtlich zu beanstanden. Die Düsseldorfer Wirtschaftsstrafkammer hatte in einem Rechtsgespräch mit den Verfahrensbeteiligten am 31. März die Auffassung vertreten, die Zahlungen seien zwar aktienrechtlich unzulässig, erfüllten aber nicht den Straftatbestand der Untreue.

Die Kammer unter der Vorsitzenden Richterin Brigitte Koppenhöfer verkündete ihr Urteil am 37. Verhandlungstag. Im Verlauf des Verfahrens hatte die Strafkammer 55 Zeugen vernommen, darunter Ex-Vodafone-Chef Chris Gent. Der Geschäftsführer des früheren Mannesmann-Großaktionärs Hutchison Whampoa, Canning Fok, waren vom Gericht sogar per Videoschaltung nach Hongkong befragt worden.(APA/dpa/AFP/Reuters)

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    Der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser kann autatmen.

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