Verhandlungen ergebnislos vertagt

25. Juli 2004, 18:40
1 Posting

In keinem der strittigen Punkte eine Einigung erzielt

Stuttgart - Die Verhandlungen über das millionenschwere Sparpaket beim Automobilkonzern DaimlerChrysler sind am frühen Donnerstagmorgen nach mehr als 13 Stunden ergebnislos vertagt worden.

Wie ein Sprecher der IG Metall am frühen Morgen weiter sagte, sei noch in keinem der strittigen Punkte eine Einigung erzielt worden. Die Gespräche zwischen Vorstand, Betriebsrat und IG Metall sollten am Donnerstagvormittag in kleinerem Kreis fortgesetzt werden.

Kompromiss gesucht

Trotz der offenkundigen Schwierigkeiten setzen beide Seiten weiter auf einen Kompromiss. "Wir müssen auf jeden Fall weiter versuchen, eine Lösung zu finden", sagte ein Mitglied des Betriebsrats in der Nacht. Am Mittwoch hatten sich die Parteien noch zuversichtlich gezeigt, zu einer Einigung zu kommen. Bereits am Abend erklärte dann aber ein Konzernsprecher, ein schnelles Ende der Gespräche ein nicht in Sicht.

Strittig sind nach Angaben von IG Metall und Betriebsrat unter anderem für Baden-Württemberg typische Sonderregelungen wie die "Steinkühler-Pause" von fünf Minuten pro Stunde oder Spätzuschläge bereits von 12.00 Uhr an. Auch über die für 2005 geplante Einführung des so genannten Entgeltrahmen-Tarifvertrages (ERA), der für tarifliche Gleichstellung von Angestellten und Arbeitern sorgen sollte, sei gesprochen worden. Die Arbeitnehmerseite wäre hier zu Zugeständnissen bereit gewesen, allerdings nicht in dem vom Vorstand geforderten Umfang.

Der Konzernvorstand verlangt von den Beschäftigten im DaimlerChrysler-Werk eine Senkung der Arbeitskosten um 500 Mio. Euro. Andernfalls müsste die Produktion der neuen C-Klasse und ihrer Varianten vor allem ins Werk Bremen verlagert werden. Dann droht in der Mercedes-Produktion von Sindelfingen der Abbau von 6.000 der über 30.000 Stellen.

Ministerpräsident Teufel appelliert an Verhandlungspartner

Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) hatte an die Kompromissbereitschaft der Verhandlungspartner beim Streit um Kostensenkungen bei DaimlerChrysler appelliert. In der jüngsten Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" schrieb Teufel in einem Beitrag: "Als Landesregierung setzen wir auf die Verantwortungspartnerschaft zwischen Unternehmensführung und Belegschaft. Im Streit würden beide Seiten mehr verlieren als gewinnen, ein Konflikt nutzt niemandem." Werde kein Kompromiss gefunden, nehme nicht nur das Unternehmen, sondern auch das Land einen erheblichen Schaden.

Betriebsrat und IG Metall hatten sich zu Zugeständnissen bereit erklärt, an den tariflich vereinbarten Arbeitspausen und Schichtzuschläge wollten sie Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm zufolge jedoch festhalten. Einschnitte wollte der Betriebsrat nur zugestehen, wenn der Vorstand für die betroffenen Mercedes-Werke eine Standortgarantie bis zum Jahr 2012 gibt. (APA/dpa)

Share if you care.