Nachlese: Barroso sucht acht Frauen für Kommission

27. Juli 2004, 11:31
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Konservativer portugiesischer Ex-Premier neuer Kommissionspräsident - Deutlichere Mehrheit im EU-Parlament als erwartet

Sein starker Auftritt im EU-Parlament hat José Manuel Durao Barroso eine deutlichere Mehrheit gebracht als erwartet. Nun will er rasch seine Kommission bilden.

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Straßburg - Eine kleine Panne verzögerte den feierlichen Moment. Josep Borrell, Präsident des Europaparlaments, wollte eigentlich das Ergebnis der Wahl des formal mächtigsten Mannes Europas bekannt geben – der war aber nicht auffindbar. "Wer weiß, wo José Manuel Durao Barroso ist?", fragte Borrell pikiert in den vollen Plenarsaal des Europaparlaments in Straßburg. Nach einigen Minuten war Barroso gefunden – und das Wahlergebnis konnte verkündet werden: Der Portugiese hat die letzte Hürde auf dem Weg zum EU-Kommissionspräsidenten locker genommen. Mit 413 Europaabgeordneten gaben ihm 62 Prozent ihr Ja, 251 votierten mit Nein, der Rest enthielt sich.

Klarer als erwartet

Diesem Ergebnis, das klarer als erwartet ausfiel, war eine heftige Debatte vorangegangen: Nur Barrosos Heimatfraktion, die Europäische Volkspartei, huldigte ihrem Parteifreund. Der Koalitionspartner hingegen, die Sozialdemokraten, warfen Barroso vor, nicht einmal den kleinsten Zweifel am Irakkrieg geäußert zu haben, und stimmten (wie die Grünen) großteils gegen ihn.

Der drittgrößten Fraktion, den Liberalen, hingegen gefiel Barrosos Absage an den deutsch-französischen Wunsch nach einem Superkommissar so gut, dass sie für ihn votierte.

Start für Postenpoker

Mit dem Wahlergebnis von 62 Prozent liegt Barroso hinter seinem Vorgänger Romano Prodi (78 Prozent), aber vor dem Vorvorgänger Jacques Santer (52 Prozent). "Ich bin geehrt von der starken Unterstützung", freute sich Barroso.

Zum Feiern will sich der nunmehr designierte EU-Kommissionspräsident nicht viel Zeit nehmen: Er will ab Freitag mit den 25 Regierungschefs Kontakt aufnehmen, um die Aufteilung der Jobs und der Ressorts in der neuen Kommission zu besprechen. Für den Postenpoker hat Barroso einen Monat einkalkuliert: "Spätestens am 24. August will ich mein Team bekannt geben."

Zumindest acht Frauen

Einige Konturen dieses Teams, das im November die Arbeit aufnimmt, zeichnete Barroso schon jetzt: as deutsch-französische Begehr nach einem Superkommissar lehnt er ab – dafür pocht er auf einen höheren Frauenanteil: "Ich will zumindest acht Frauen in meinem Team der 24 Kommissare."

Bisher haben 17 Staaten Kandidaten für Kommissionsjobs genannt, nur drei davon sind Frauen. Eine Nennung bedeute aber noch lange keinen Kommissarsposten, betonte Barroso sein ntscheidungsrecht: "Ich habe noch keinen von den genannten Namen bestätigt."

Österreich könnte Barroso bei der Erfüllung seiner selbst gesetzten Frauenquote behilflich sein: Gelten doch Außenministerin Benita Ferrero-Waldner und Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat als Anwärterinnen für den österreichischen Kommissarsposten. (DER STANDARD, Printausgabe 23.7.2004)

Von Eva Linsinger aus Straßburg
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    Eine breite Mehrheit im EU-Parlament sprach sich für Jose Manuel Durao Barroso als neuen EU-Kommissions­prä­siden­ten aus.

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