Medizinuniversität Wien steht "mit Rücken zur Wand"

22. Juli 2004, 22:31
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137 Arztposten weniger in Plan - Wiens Pflegeheime bekommen interimistische Leiterin

Wien - Finanziell "mit dem Rücken zur Wand" stehe die Medizinuniversität Wien, sagte Rektor Wolfgang Schütz. Anlässlich einer ersten Halbjahresbilanz seit der Ausgliederung der Medizinuniversität von der Hauptuniversität Wien wiederholte Schütz den Sparwillen: Der bereits angekündigte Abbau von 137 Arztposten wird eingehalten. Es gilt bis auf weiteres ein Aufnahmestopp.

Einsparungen

Diese Stellen könnten bis 2006 eingespart werden, weil befristete Dienstverträge nicht verlängert oder frei werdende Stellen nach Pensionierungen nicht nachbesetzt würden. Schütz betont, dass gut 80 Prozent des Budgets der Medizinuniversität für das Personal reserviert seien, daher müsse man beim Sparen auch dort ansetzen. Neun Millionen Euro verspricht er sich von dieser Maßnahme, sie sollen in die Erneuerung von Therapie-und Untersuchungsgeräten und in mehr Forschung gesteckt werden.

Auswirkungen auf Patienten

Organisatorisch sind die Ärzte Bedienstete der Medizinuniversität, ihren Arbeitsplatz haben sie an der Universitätsklinik AKH. Für deren Betrieb wiederum sorgt finanziell die Stadt Wien, der Bund schießt für den so genannten klinischen Mehraufwand Geld zu. Eine Sprecherin des AKH sagte, dass sich der von Schütz verkündete Personalstopp derzeit nicht auf die Betreuung der Patienten auswirke, was auch so bleiben soll.

Seitens der Medizinuniversität will man sich am AKH mehr auf Spitzenmedizin, denn auf Routineuntersuchungen konzentrieren. Routinefälle wie Blinddarmoperationen, Insektenstichtherapie oder Kopfschmerzbehandlungen könnten in anderen Spitälern in Wien verstärkt übernommen werden.

Neue Heimleitung

Unterdessen nimmt auch die Umorganisation in einem anderen Bereich Konturen an. Nach dem "Pflegeskandal" war angekündigt worden, dass die städtischen Pflegeheime - wie jenes in Lainz - unter eine neue Leitung zusammengefasst würden. Damit sollen Reformen gelingen. Nun wurde Susanne Drapalik, Ärztin und bereis im Wiener Krankenanstaltenverbund tätig, zur interimistischen Leiterin bestellt. Im Herbst wird ihr Posten und die anderer Generaldirektoren ausgeschrieben.

Die Imagekampagne "Job des Lebens" für Pflegeberufe kritisiert der Berufsverband der Krankenpflegeberufe. Es werde ein unrealistisches Berufsbild vermittelt, man habe Werbespots ohne Einbezug der Betroffenen gemacht, die nichts zum besseren Image des Pflegeberufs beitragen würden. (aw, DER STANDARD Printausgabe 22.7.2004)

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