Verbund droht erneut mit Abwanderung

28. Juli 2004, 12:57
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Der Stromriese will neue Kraftwerke bauen - Wenn dies in Österreich durch restriktive politische Rahmen­bedingungen verhindert würde, gehe man eben nach Slowenien

Wien - Der Stromverbrauch steigt in Österreich um zwei Prozent, das ist mehr als die Leistung des Kraftwerks Freudenau. Insgesamt hat sich der frühere Stromexporteur Österreich zu einem Importeur gewandelt.

Gleichzeitig steigen die Strompreise mittelfristig. Aus diesen Gründen plant der Verbundkonzern drei neue Kraftwerke. Zwei Wasserkraftwerke - Gerlos II und ein Ausbau in Kaprun - sowie ein Gaskraftwerk im steirischen Mellach.

Zwar rechnet der Verbund überall mit den entsprechenden behördlichen Genehmigungen, die Frage sei aber unter welchen Auflagen. Außerdem sei das "Hauptproblem" des Stromnetzausbaus in den Süden Österreichs weiterhin ungelöst. Die Politik solle endlich agieren, fordert Verbund-Chef Hans Haider.

"Italienische Verhältnisse"

Geschehe nichts, werde der Verbund das Gaskraftwerk nicht in Mellach, sondern eventuell in Slowenien bauen. Ohne neue Erzeugungskapazitäten und Leitungen drohten in Österreich "italienische Verhältnisse", so Haider, auf den Zusammenbruch des Stromnetzes beim südlichen Nachbarn im letzten Herbst anspielend. Die Versorgungssicherheit sei auch in Österreich in Gefahr, allerdings erst längerfristig.

Anlass der Äußerungen Haiders war die erfreuliche Halbjahresbilanz des Konzerns. Bereits 60 Prozent des Verbund-Geschäftes wird im Ausland erzielt. Hierzulande startet am 1. Oktober die "österreichische Stromlösung", also die Verflechtung mit der EnergieAllianz (EVN, Wien Energie, Energie AG Oberösterreich, Linz AG und Bewag).

40 Mio. Euro an Synergien pro Jahr erwartet sich der Verbund aus dem Deal, der jüngst von Brüssel abgesegnet wurde. Den EU-Auflagen wurde insofern Rechnung getragen, als der Verbund die Vertriebstochter APC an die slowenische Istrabenz zu 75 Prozent verkauft hat.

Operatives Ergebnis soll um 15 Prozent steigen

Ein Teil der erwarteten Kostenersparnisse aus der Stromlösung soll schon das Jahresergebnis 2004 auffetten. Verbund Finanzchef Michael Pistauer sagte, das operative Ergebnis werde "jedenfalls" um 15 Prozent steigen, beim Konzernergebnis gehe man von einem Plus um 20 Prozent aus. Die Aktionäre wird es freuen: Die Dividende soll deutlich erhöht werden, aus heutiger Sicht von zwei auf rund drei Euro je Aktie.

Zum Reizthema Ökostrom sagte Haider, er wünsche sich eine Förderung auch für Wasserkraftwerke jenseits der derzeitigen Leistungsgrenze von 10 MW. Eine Anhebung auf 80 bis 100 MW mittels einer Einschleifregelung wäre durchaus vernünftig. (miba/DER STANDARD Printausgabe, 22.07.2004)

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    Verbund-Chef Hans Haider warnt: Werde der Stromnetzausbau weiter blockiert, drohten längerfristig auch in Österreich Blackouts wie im Herbst 2003 in Italien.

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