++ Pro & Contra ---Curry-Wurst

29. Juli 2004, 13:34
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Berlin und Hamburg streiten darum, wer die Currywurst erfunden hat

+++Pro
von Gerhard Plott

Von Unwissenden wird oft keck behauptet, dass von den Deutschen noch nie etwas Gescheites gekommen sei und auch künftig nichts kommen werde, was die Germanophilen unter uns verständlicherweise zur Weißglut treibt. Und was ist bitte mit Louis Leitz, mit Ernst Litfaß oder gar mit dem seligen Timotheus Ritzsch, rufen Deutschenfreunde dann unisono. Schließlich bereicherten diese mutigen Denker die Welt um dringend benötigte Aktenordner, Werbesäulen oder im Falle des Leipzigers Ritzsch schon anno 1650 um die täglich erscheinende Zeitung.

Doch die wahre Großtat und somit den endgültigen Beleg für teutonische Schöpfungskraft lieferte die Berlinerin Herta Heuwer, die 1949 im Alleingang und ohne staatliche Subvention nach langem und entbehrungsreichem Forschen die Currywurst samt dazugehöriger pikanter Sauce erfand. Wegen dieser für Deutsche unerhörten kulinarischen Innovation avancierte Herta Heuwer zur Ikone der Wurstszene, der in der Kantstraße 101 sogar eine Gedenktafel gesetzt wurde. Merke wohl: Wenn's um die Wurst geht, ehrt der Deutsche seine findigen Köpfe dankbar.

Machen wir den Deutschen also die Freude, die haben derzeit ohnehin wenig zu lachen. Ehren auch wir den Erfindergeist, vergessen wir Feinspitze Burenhäutl oder Eitrige mit Buckl und Sechzehnerblech. Bestellen Sie doch künftig Currywurst, Wirtschaftsstandortdeutschland wird es Ihnen danken. Sagen Sie uns, wie es Ihnen geschmeckt hat.

Halt, stopp, halt. Oder noch viel besser: Sagen Sie es uns nicht.

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Contra--
von Benno Zelsacher

Nunzikawa, nunzikawa, nunzikawa, nunzikawa. Ganz wichtig ist, dass man die Silben schön gleichmäßig betont und den magischen Spruch mit einem laut ausgerufenen nunzi finalisiert. Lilli (2) hat damit schon den Zuzo, den Eisbären, das eine oder andere Gummibärli herbeigezaubert. Kann ja nichts schief gehen, dachte man sich, nachdem man den Auftrag erhalten hatte, seine Abneigung gegen die Currywurst in Worte zu kleiden.

Oberflächliche Recherchen förderten zunächst Erstaunliches zutage. Google zauberte aus den unendlichen Weiten des virtuellen Netzes ungefähr 80.200 in Deutsch gehaltene Seiten zum Thema Currywurst auf den Bildschirm. Man erfährt, dass sich Berlin und Hamburg darum streiten, wer die Currywurst erfunden hat, dass die Uni Princetown herausgefunden hat, dass Mäuse auf Currywurst süchtig werden, dass die deutschen Grünen fordern, den Mehrwertsteuersatz auf die Currywurst anzuheben, weil die angeblich nicht ganz so gesund ist und die Kinder dick macht, aber in dieser Beziehung steht die geprügelte Currywurst nicht alleine da, da braucht sich auch das Gummibärli nicht zu verstecken.

Weil nichts über den persönlichen Kontakt geht, ging man nunzikawamäßig durch die Wienerstadt, suchte drei Würstelstände auf. Das ist erstens nicht repräsentativ, zweitens könnte das Unterbewusste den Zauberspruch seiner Wirkung beraubt haben. Fazit: keine Currywurst aufzutreiben. Wer sich dermaßen entzieht, den kann man nicht lieben. (Der Standard/rondo/23/07/2004)

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