Die Gier und der Neid

23. September 2004, 16:35
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Das Argument der "Risikoprämie" für Manager ist ein Mythos, denn Topchefs sitzen nicht beim Arbeitsamt - Von Karin Bauer

Wer nichts hat, für weniger Einkommen länger arbeiten soll und dann ziemlich sicher noch in die Pensionslücke fällt, dem wird gern Neid unterstellt, wenn er von tief unten auf die Millionengagen seiner Chefs schaut und die "Geldsäcke" anprangert.´

Andererseits wird denen da oben, die Millionen kassieren und mittels Bonus, Pensionsprogrammen und Aktienoptionen noch weitere Schäfchen ins Trockene bringen können, gern Gier unterstellt.

In den USA betraf das - nach Skandalgagen während der Bilanzbetrügereien im Jahr 2000 - zuletzt den Exbörsenchef Richard Grasso, der zu seinen laufenden Millionengagen noch 140 Millionen Dollar Zusatzleistungen beanspruchte. Unzählige Beispiele belegen die Gier.

Jetzt hat der soziale Unfrieden über horrende Managergagen Deutschland erfasst. In Österreich nagen die Spitzenmanager zwar nicht am Hungertuch, obwohl sie mit einer Million Euro Jahresgage am unteren Ende der internationalen Bandbreite liegen. DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp dagegen hat 2003 über fünf Millionen Euro verdient - und kürzt seinen Fließbandarbeitern gleichzeitig die Löhne.

Die Alternative für die Arbeiter wäre: Kein Job. Schrempp muss nicht einmal einen Tag für die Jahresgage eines seiner Arbeiter werken. Dabei ist das Argument der "Risikoprämie" ein Mythos, denn arbeitslos wird heute zwar das Mittelmanagement, Topchefs sitzen aber nicht beim Arbeitsamt.

Bei der deutschen Erregung kann nicht mehr von Neid die Rede sein, von Gier aber sehr wohl. Die Relationen sind völlig verloren gegangen, was in der schwierigen Lage besonders ins Gewicht fällt. Ein ausgewogeneres Verhältnis müssen die Topmanager jetzt schnell selber wiederherstellen - sonst stehen massive Arbeitskonflikte und staatliche Eingriffe bevor. (DER STANDARD Printausgabe, 22.07.2004)

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