Krenns Gegner und Anhänger formieren sich

27. Juli 2004, 19:47
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Laut einer Gallup-Umfrage wünschen sich 71 Prozent der Gläubigen die Abberufung von Bischof Kurt Krenn.

St. Pölten/Wien - Der Feldkircher Bischof Klaus Küng hat seine Untersuchungen in der Diözese St. Pölten begonnen und bereits mit Bischof Kurt Krenn gesprochen. Über den Inhalt der Unterredung wurde nichts bekannt. In Kirchenkreisen rechnet man damit, dass die Untersuchung sechs Wochen dauern wird.

Der ehemalige Leiter des Priesterseminars St. Pölten, Ulrich Küchl, weist in einer Erklärung alle Vorwürfe zurück: Es habe nie sexuellen Missbrauch oder homosexuelle Handlungen gegeben. In einer Ehrenerklärung solidarisierten sich 16 Politiker und Künstler mit Küchl.

Laut einer Gallup-Umfrage zeigt die Affäre bereits Wirkung: 71 Prozent der Befragten sind für eine Abberufung Krenns, 79 Prozent halten ihn für unglaubwürdig.

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"Neues Vertrauen schaffen"

St. Pölten/Wien - Der Apostolische Visitator Bischof Klaus Küng hat am Mittwoch mit der Untersuchung der Diözese St. Pölten begonnen. Er sei bereits mit Bischof Kurt Krenn zusammengetroffen, sagte Küng. Was er mit ihm besprochen hatte, wollte Küng nicht mitteilen. Er bestätigte nur, dass sich Krenn "auswärts" aufhalte. Der Bischof werde aber "in Bälde" zurückkehren. Seine Aufgabe sei es, für "Klarheit" zu sorgen, betonte Küng. Er wolle "neues Vertrauen schaffen".

Koadjutor

Wie lange er für seine Untersuchung brauchen wird, wollte Küng nicht sagen. In hohen Kirchenkreisen spricht man von sechs Wochen und rechnet damit, dass Krenn "mindestens" einen Koadjutor zur Seite gestellt bekommt - was der Bischof schon als eine Art Sieg betrachten würde.

Gegner und Anhänger formieren sich

Inzwischen formieren sich Krenns Gegner und Anhänger. Kardinal Christoph Schönborn kritisierte in der TV-Sendung "Kreuz und Quer" sowohl Krenns Amtsführung als auch das Verhalten des Vatikans: Die Bischöfe hätten Krenn deutlich gesagt, dass die St. Pöltener Praxis untragbar sei, Kandidaten in das Priesterseminar aufzunehmen, die in anderen Diözesen abgelehnt worden seien.

Krenns verletzender Stil

Auch habe es mit Krenn "echte Probleme" gegeben, so Schönborn weiter. Das seien nicht nur "gesundheitliche" gewesen, sondern auch Krenns verletzender Stil und "das oft sehr Unkommunikative in seinem Führungsstil, bis hin zur jetzigen Situation, wo praktisch keine Führung mehr möglich ist in der Diözese". Im Vatikan habe man viel zu lange zugesehen: "Es ist traurig, dass erst jetzt etwas passiert."

Unterschriftenaktion für Kren

Doch auch Krenns Anhänger melden sich zu Wort. Die ultra-katholische Zeitschrift "Der 13." startete eine Unterschriftenaktion. Mit der Aktion wird an den Papst der Appell gerichtet: "Bitte schützen Sie diesen Ihren Bischof." Angeblich wurden bereits knapp 2000 Unterschriften nach Rom geschickt. Laut "kath.net" hat sich jetzt der Fotograf zu Wort gemeldet, der die Kussfotos im St. Pöltener Priesterseminar aufgenommen hat. Auf ihnen waren sowohl Priesteramtsanwärter als auch Subregens Wolfgang Rothe in eindeutigen Positionen zu sehen. Der Fotograf beteuert, dass es "nur eine Umarmung" gegeben habe. Ulrich Küchl, Exleiter des Seminars, versichert in einer Erklärung, dass alle Anschuldigungen gegen ihn "unwahr" seien: "Dagegen wehre ich mich und erkläre meine Absicht, rechtlichen Schutz in Anspruch nehmen zu wollen."

Laut einer Gallup-Umfrage für News halten 79 Prozent Krenn für unglaubwürdig, 71 Prozent sind für seine Abberufung. 14 Prozent wollen aus der Kirche austreten. (kob, pm, DER STANDATRD Printausgabe 22.7.2004)

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