Thomas Bernhard zu Hause überfallen

23. Juli 2004, 20:48
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Die Gmundner Festwochen als eklektisch zu bezeichnen ist angesichts des bunten Sammelsuriums an Kunst und Kultur angemessen

Valie Export, Aki Takase oder Imre Kertész sind nur einige der Protagonisten.


Gmunden - Einer der Höhepunkte der diesjährigen Festwochen ist mit dem Auftritt von Steve Reich zu erwarten. Der US-amerikanische Komponist und Mitbegründer der Minimal Music wird bei der Aufführung seiner Werke Piano Phase und Different Trains anwesend sein. Zuvor stellt er sich einem Künstlergespräch. Besonderes Augenmerk gilt dem österreichischen Pianisten Markus Hinterhäuser. Der Spezialist für Musik des 20. Jahrhunderts interpretiert Berg, Janácek und Schönberg.

Die heimische Jazzszene ist durch einige international renommierte Namen vertreten: Die Brüder Wolfgang und Christian Muthspiel treffen erstmals den in Wien ansässigen brasilianischen Gitarristen und Perkussionisten Allegre Correa. Dabei werden auch folkloristische Einflüsse aus Österreich und Brasilien improvisatorisch aufgegriffen. Komponistin und Sängerin Elfi Aichinger präsentiert mit dem Programm Memorable Incident stimmliche Expressivität, gepaart mit einem im Crossover-Bereich angesiedelten Zugang zu neueren musikalischen Strömungen des Pop. Auch Jazzmeister Monk, bearbeitet von Jazzpianistin Aki Takase, sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2004)


Fehltritt und Volltreffer

Wer lieber in etwas poppigere musikalische Gefilde (ab)gleiten will, kann mit der Latino-Western-Slide-Gitarren-Schnurrerei-untersetzt-mit-mexikanischer-Blasmusik der US-Band Calexico einen lauschigen Abend verbringen. Auch Urge Overkill, bekannt durch den Pulp Fiction-Hit Girl, You'll Be a Woman Soon, sind was für Romantiker.

Das Stadttheater Gmunden zeigt vier Uraufführungen: Für Heartbreak Hotel zeichnet Fritz Ostermayer verantwortlich. Er führt durch einen "respektlosen Abend unterschiedlichster musikalischer Fehltritte und Volltreffer". Das von Darrel Toulon choreografierte Tanzstück Extremotions - Love Hurts beschäftigt sich mit "der dunklen Seite der Liebe": Paartänze mythischer Gestalten von der Liebe in den Selbstmord. Traurig. Carola Mair präsentiert ihren Dokumentarfilm Nicaraguas Kinder. Sehnsucht nach Kultur; die szenische Lesung Ich und Kaminski, eine "Parodie auf den Kulturbetrieb", ist eine Bearbeitung des Romans von Daniel Kehlmann.

Passend dazu sind Thomas Bernhard in seinem "Heimatort" Gmunden mehrere Abende gewidmet. Es lesen u. a. Erni Mangold, Josef Hader oder Sandra Kreisler. Außerdem gastiert Nobelpreisträger Imre Kertész in Bernhards Wohnhaus in Ohlsdorf. Ebenfalls literarisch interessant: ein Abend mit Gert Jonke. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2004)

Von
Denise Riedlinger


Sean Scully/Jon Groom, Zos DeWitt u. a. - ergänzen das Programm.
Bis 17. September
07612/706 30

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