Weniger Reden, mehr Effekte bei Eröffnungszeremonie

21. Juli 2004, 18:52
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Heinz Fischers Plädoyer für die zeitgenössische Kunst - Gemeinsam mit Wolfgang Schüssel eröffnete er die Bregenzer Festspiele

Bregenz - David Pountney will neue Akzente setzen. Und dieser neue Geist machte sich bereits bei der unkonventionellen, wirkungsvoll inszenierten Eröffnung der Bregenzer Festspiele am Mittwoch bemerkbar: Die vom Intendanten moderierte Zeremonie im Festspielhaus wartete mit weniger Ansprachen, dafür mit Spiel- und Showeffekten auf.

Das erste Mal, dass Kanzler der Eröffnung beiwohnte

Bevor etwa der Bundeskanzler ans Rednerpult durfte, wurde er von einem Opern-General gestört. Wolfgang Schüssel ließ sich aber nicht beirren, schickte den singenden Uniformträger unter Beifall von der Bühne und lobte die Festspiele als kulturelles Glanzlicht der Republik.

Es war übrigens das erste Mal in der fast 60-jährigen Geschichte des Festivals, dass ein Kanzler der Eröffnung beiwohnte. Einen Zusammenhang mit Heinz Fischer, der als Bundespräsident die Festspiele offiziell für eröffnet erklären durfte, bestritt Heidi Glück, Schüssels Pressesprecherin: Dieses Jahr hätte es terminlich endlich geklappt.

Fischer: Kunstverständnis muss man sich erarbeiten

Fischer setzte sich, wie schon in seiner Antrittsrede vor der Bundesversammlung, mit der Bedeutung von Kunst, explizit auch der zeitgenössischen, und Wissenschaft für die Gesellschaft auseinander. Er gebe zu, dass es moderne Kunstwerke gibt, die auch er "schlicht und einfach nicht verstehe". Aber dann rufe er sich eben in Erinnerung, "dass man sich das Verständnis moderner Kunst erarbeiten muss", dass Kunstwahrnehmung als "Dialog" - Fischer verlor sich ein wenig in etymologischen Erklärungen des Wortes - zu verstehen sei.

Wer mit Kunst nie oder nur selten in Berührung kommt, dürfe nicht erwarten, von ihr angesprochen zu werden oder jene Antworten zu erhalten, die Kunst zu geben vermag. Kunst gehe in die Tiefe und konfrontiere "uns mit Fragen, die nur allzu oft verschüttet bleiben oder denen wir ausweichen". Er sei allerdings überzeugt, dass Kunst auch Antworten geben kann auf Fragen, "die sonst unbeantwortet bleiben oder erst gar nicht gestellt werden". Die Bregenzer Festspiele seien "ein guter Ort, um tiefer liegende Fragen aufzuwerfen, Antworten zu suchen und auch zu finden".

"Glücklicher Tag" für Rhomberg: Sanierung für Festspielhaus beschlossen

Günter Rhomberg, der Festspielpräsident, empfand den Tag als einen "glücklichen". Schließlich hatten Schüssel, Landeshauptmann Herbert Sausgruber und der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart (alle VP) vor der Eröffnung den Vertrag für den Umbau und die Sanierung des Festspielhauses unterzeichnet.

Von den knapp 40 Millionen Euro an Baukosten tragen die Festspiele samt Freundesverein etwas mehr als vier Millionen, die restlichen 35 Millionen übernehmen Bund, Land und Stadt im Verhältnis 40:35:25. Die Arbeiten sollen im Herbst 2005 beginnen.

Stolz betonte Rhomberg, dass es gelungen sei, dem Festival ein hochwertiges Profil zu verleihen: Das Programm wurde sukzessive erweitert und qualitativ verbessert - "trotz rückläufiger Subventionen". (trenk, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2004)

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    Intendant David Pountney lockerte die Zeremonie auf - und überraschte den Kanzler mit einem Sänger-General.

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