Hitzige Debatte über Managergagen

28. Juli 2004, 11:45
155 Postings

Der Personalkostenstreit bei DaimlerChrysler löst eine heftige Grundsatzdebatte über Managergagen aus - Jüngster Vorschlag: Notfalls soll der Gesetzgeber eingreifen

Die Debatte über eine Verringerung der Arbeitskosten in Deutschland, die sich bisher auf eine Verlängerung der Arbeitszeit konzentriert hat, ist nun zu einer Diskussion über Gehälter von Managern geworden.

Nachdem der DaimlerChrysler-Vorstand als erste Führungsmannschaft eines deutschen Großkonzerns angeboten hat, im Zuge des Sparkurses auf bis zu zehn Prozent der Gehälter zu verzichten, hat VW nachgezogen.

Europas größter Autobauer kündigte am Mittwoch an, seine Personalkosten im Konzern bis 2011 um 30 Prozent senken zu wollen. Und zwar durch einen Mix aus längeren Arbeitszeiten, geringeren Löhnen und leistungsorientierterer Bezahlung.

Gage per Gesetz

Dabei sollen auch die Gehälter für die Vorstandsmitglieder und 2700 Führungskräfte gekürzt werden. Der frühere Vorstandschef von Daimler-Benz, Edzard Reuter, überraschte mit dem Vorstoß, dass notfalls eine Begrenzung der Managergehälter per Gesetz durchgesetzt werden solle.

Manche Gehälter seien unmoralisch und ethisch nicht mehr begründbar, so Reuter, dessen Vater SPD-Bürgermeister in Berlin war. Sollte es keine Selbstverpflichtung der Manager geben, müsse der Gesetzgeber eingreifen.

Die deutsche Bundesjustizministerin Brigitte Zypries schließt solche gesetzlichen Eingriffe nicht mehr aus. An staatlich festgesetzte Höchstlöhne für Manager sei aber "nicht gedacht".

Soziale Symmetrie

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement: "Wenn Manager anderen etwas abverlangen, sollten sie in der Lage sein, selbst Gleiches zu tun." CSU-Chef Edmund Stoiber hält das Angebot der DaimlerChrysler-Chefs "im Sinne sozialer Symmetrie für absolut notwendig".

Der Chef des Bundes Deutscher Industrie (BDI), Michael Rogowski, räumte zwar ein, die Kürzung von Managergehältern könnte "ein symbolischer Schritt sein". Gleichzeitig kritisierte er die Gagendebatte als "primitive Volksverdummung". Managergehälter in Deutschland lägen im internationalen Vergleich in der unteren Hälfte, "Löhne dagegen in der oberen Hälfte".

Verhandlungen bei DaimlerChrysler gehen weiter

Bei DaimlerChrysler gingen die Verhandlungen über Einsparungen weiter. Der Vorstand droht mit einer Produktionsverlagerung aus dem Werk Sindelfingen, sollte der Betriebsrat nicht Einsparungen von 500 Mio. Euro zustimmen. Für den Fall einer Einigung hatte der Vorstand einen Gehaltsverzicht angeboten.

Auch der Opel-Betriebsrat fordert, dass sich das Management an Einsparungen beteiligt. Bosch-Mitarbeiter in zwei Werken hatten am Dienstag zugestimmt, dass bei außertariflichen Bezahlungen gekürzt wird - im Gegenzug für den Erhalt der beiden Standorte. (DER STANDARD Printausgabe, 22.07.2004)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
  • Bild nicht mehr verfügbar

    DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp und seine Vorstandskollegen sind bereit, auf einen Teil ihrer Gage zu verzichten.

Share if you care.