Kopf des Tages: Lega-Nord-Hardliner Roberto Calderoli

23. Juli 2004, 08:56
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Derber Hardliner aus Bergamo ist neuer Minister für Reformen

"Wenn Umberto Bossi mir befiehlt, von der Brücke zu springen, gehorche ich." Roberto Calderoli versteht sich als Kämpfer – da ist unbedingter Gehorsam oberstes Gebot. Worte haben für den Vizepräsidenten des italienischen Senats durchaus Gewicht. Zuhörer dürfen sie nicht auf die Goldwaage legen. Zum täglichen Rüstzeug eines ausgewiesenen Lega Nord-Hardliners gehört ein derbes Vokabular. Ob es um Pfaffen, Schwule, Muslime oder Süditaliener geht, der 47-Jährige aus der Lega-Hochburg Bergamo lässt keine Fragen offen, wenn Klartext erwünscht ist.

Mal klagt er, dass Padanien "immer mehr zu einem Auffangbecken für schwule Ärsche" wird, mal fordert er eine Prämie für jeden, der einen illegalen Albaner anzeigt. Von der Eisenbahnverwaltung verlangte er die Namen "aller süditalienischen Bahnhofsvorstände in der Provinz Bergamo", von der Schulbehörde eine Liste aller aus dem Süden eingewanderten Lehrer. Und besonders muslimische Einwanderer sind ihm ein Dorn im Auge: "Mein Schwein kann es kaum erwarten, gegen eine Moschee zu pinkeln" versichert der bullige Lombarde mit breitem Grinsen.

1996 sah er den Sieg im Kampf um die Sezession greifbar nah: "Noch ein Jahr und wir haben unser Ziel erreicht." Dann – schwärmte Calderoli – "werden sich viele, die heute an der Spitze der Institutionen stehen, vor den Gerichten Padaniens wegen Völkermord verantworten müssen."

Dass Roberto Calderoli Zahnarzt wurde, führt er auf einen "genetischen Faktor" zurück. Zahnarzt war schon sein Großvater Guido, der in den Fünfzigerjahren eine Autonomiebewegung für Bergamo gründete. Zahnärzte warten sein Vater und die vier Onkel. Was lag da für Roberto und seine drei Brüder näher, als sich für denselben Beruf zu entscheiden? Wissbegierige können seinen Aufstieg vom Enduro-Fan zum Lega-Propagandisten in der 1994 erschienenen Autobiografie nachlesen – kein Werk für literarische Feinschmecker.

Seine Frau, die Komödienschreiberin Sabina Negri, hielt die Aufbruchstimmung der 90er Jahre in dem Buch "Sezession – Reisen durch den unruhigen Norden" fest. Geheiratet haben sie "nach keltischem Ritus" unter ausgiebigem Genuss von Apfelwein, den "unsere Frauen aus dem Schoß von Mutter Erde gekeltert haben". Dass er seinen Schwager Luigi Negri aus der Lega ausgeschlossen hat, führt Calderoli auf einen Befehl Bossis zurück. Dass er nach einer Rauferei mit der Polizei vor dem Mailänder Lega-Büro wegen Widerstands und Beleidigung zu acht Monaten Haft verurteilt wurde, wertet er als "zentralstaatlichen Übergriff".

Nun hat der derbe Bergamaske Bossis Ministerium für Reformen übernommen. Damit ist Calderoli auch dem begehrten Parteivorsitz ein gutes Stück näher gekommen. (Gerhard Mumelter/DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2004)

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    foto: epa/ansa files
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