Chinas Angst vor der "Blüte Mao"

28. Juli 2004, 12:48
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Peking startet die bisher größte landesweite Kampagne gegen Falschgeld - Allerdings selbst die Todesstrafe schreckt Fälscher nicht ab

China liebt seinen Großen Vorsitzenden Mao Tsetung (1893–1976) noch immer. Während der Kulturrevolution sorgten Rotgardisten, dass alle Bürger jeden Morgen vor seinem Bild Ergebenheitstänze (Zhongzi Wu) aufführten.

Heute ist es die Zentralbank, die die Chinesen auffordert, sich täglich Maobilder genau "anzuschauen, zu betasten, sie anzuschnipsen und unter Lupe und Speziallicht zu betrachten".

Gemeint sind allerdings nur die heutigen Banknoten vom Fünf-Yuan-Schein (50 Cents) bis zur höchsten Nominierung mit 100 Yuan (zehn Euro), auf denen das Porträt des Staatengründers abgebildet ist. Die Angst geht um, dass Mao nicht echt, sondern eine Blüte ist.

Vierfache Prüfung

Chinas oberste Währungshüter, die Polizei und weitere 26 Behörden haben ihre bisher größte landesweite Kampagne gegen Falschgeld gestartet und das Volk zur "vierfachen Prüfung" (schauen, reiben, lauschen und untersuchen) jeder Banknote aufgerufen.

Pekings Devise: "Lasst einige schneller reich als die anderen werden" setzen einige schwarze Schafe auf ihre Weise um. Ihre Fälschungen werden immer besser.

Die Zeit des mühseligen Abmalens von Banknoten in Handarbeit (fast in jedem Chinesen steckt ein Kopierkünstler) ist vorbei. Heute stellen spezialisierte Familienbetriebe auf modernsten (meist importierten) Druckmaschinen, Druckplatten und Farb-Xeroxkopierern Kopien von Banknoten her, die gut genug sind, um selbst im automatisierten Einzahlverkehr der Banken in den Sortiermaschinen nicht aufzufallen.

Seit 2000 fischten Kontrolleure mehr als zwei Mrd. falsche Yuan (200 Millionen Euro) aus dem Geldverkehr. Darunter waren 2003 bereits 656 Mio. Yuan und mehr als 600.000 US-Dollar.

Todesstrafe schreckt nicht ab

Im ersten Halbjahr 2004 hob die Polizei rund ein Dutzend Blütenproduzenten aus. Nicht einmal die Todesstrafe schreckt die Fälscher von ihrem lukrativen Gewerbe in einer Übergangswirtschaft ab, in der bargeldloser Verkehr und Kreditkarten unterentwickelt sind und die Geldmenge im Umlauf jährlich um fast 20 Prozent steigt.

In China werden fast zwei Drittel aller Einkäufe cash abgewickelt. Normal ist es, wenn Autokäufer etwa für einen in China hergestellten Audi A 4 dem Händler 3500 Scheine zu hundert Yuan mitbringen. Kein Wunder, dass Überfälle auf Geldtransporte ebenso wie die Herstellung von Blüten Konjunktur haben.

Gesicherter Mao

Um es Fälschern schwer zu machen, hat die Zentralbank ihre seit dem Jahr 2000 in Umlauf gekommene neue Renminbi-Serie mit den farbigen Mao-Portraits besonders gesichert. Die neuen Scheine sind auf Spezialpapier mit Wasserzeichen und Sicherheitsfäden gedruckt.

Farben und Zeichen verändern sich bei einem Wechsel des Blickwinkels oder tauchen erst unter ultravioletten Speziallicht auf. Eine dritte Schicht mit Sicherheitsmerkmalen wird geheim gehalten und ist nur einer Hand voll Bankexperten bekannt.

Die Masse der armen Bauern Chinas sind die bevorzugten Opfer der Geldfälscher. Die Pekinger Neue Zeitung erklärte die ländlichen Regionen zum "Katastrophengebiet". (DER STANDARD Printausgabe, 22.07.2004)

Johnny Erling aus Peking
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Große Vorsitzende soll über die fälschungssicheren Banknoten wachen.

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