9/11-Kommission: Zehn versäumte Chancen zur Aufdeckung der Terrorpläne

22. Juli 2004, 06:37
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In Amtszeit von Bush und Clinton - 600-Seiten-Bericht wird am Donnerstag veröffentlicht

Washington - In der Amtszeit von US-Präsident George W. Bush und der seines Vorgängers Bill Clinton hat es zehn versäumte Gelegenheiten gegeben, die Pläne für die Anschläge vom 11. September 2001 rechtzeitig aufzudecken. Zu diesem Schluss kommt die unabhängige Untersuchungskommission des Kongresses in ihrem Abschlussbericht, wie die "Washington Post" am Mittwoch unter Berufung auf informierte Kreise vorab berichtete. Der 600 Seiten umfassende Bericht sollte an diesem Donnerstag veröffentlicht werden.

Vier unter Clinton, sechs unter Bush

Demnach geht das Gremium aber nicht so weit zu behaupten, dass die Anschläge tatsächlich hätten verhindert werden können. Viele der verpassten Chancen, von denen vier in die Regierungszeit des Demokraten Clinton und sechs in die des Republikaners Bush fielen, seien nur unter außergewöhnlichen Umständen zu nutzen gewesen, hieß es in der Zeitung.

Viele Einzelheiten des Dokumentes sind bereits durch vorausgegangene Zwischenberichte der Kommission und eine Serie von öffentlichen Anhörungen bekannt geworden. Dazu gehört die Forderung der Kommission nach einer umfassenden Reform der US-Geheimdienste, denen massive Versäumnisse im Vorfeld der Anschläge anlastet werden. Unter anderem empfiehlt der Ausschuss die Berufung eines so genannten "Geheimdienstzaren" mit Kabinettsrang, der an die Spitze aller einzelnen Geheimdienstbehörden - insgesamt 15 - gestellt werden soll.

Kritik an FBI und CIA

Kritik wird in dem Bericht vor allem am Geheimdienst CIA und der Bundeskriminalpolizei FBI geübt. Der Report trägt der "Washington Post" zufolge aber auch der Tatsache Rechnung, dass es für beide Behörden schwierig gewesen sei, ein klares Bild der terroristischen Bedrohung zusammenzutragen. Zu den aufgelisteten Versäumnissen gehört nach Angaben des Blattes, dass die CIA die Namen von zwei der späteren Flugzeugentführer vom 11. September nicht auf eine Terroristenliste setzte und damit die Einreise der beiden in die USA möglich machte.

Weiter heißt es in dem Bericht, die Beziehungen zwischen dem Terrornetzwerk El Kaida zu Iran und den Teheran nahe stehenden Hisbollah-Milizen seien enger als die zum Irak gewesen. Allein zehn der Flugzeugentführer vom 11. September 2001 seien vor den Anschlägen unbehelligt durch Iran gereist. Es gebe aber keine Beweise dafür, dass Teheran die Anschläge bewusst unterstützt habe. (APA/dpa)

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