Sharon will nach Deutschland kommen

23. Juli 2004, 08:52

Berliner Regierungssprecher: "Willkommener Gast" - Datum des Besuchs noch unbekannt - Mit Kolumne

Berlin - Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon, der nach seinem jüngsten Auswanderungsappell an die französischen Juden in Frankreich unerwünscht ist, will in absehbarer Zeit zu einem Besuch nach Deutschland kommen. Ein genauer Termin stehe noch nicht fest, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch in Berlin. Der deutschen Bundesregierung sei Sharon ein "willkommener Gast". Es bestehe ein großes Interesse, den Dialog mit Israel fortzusetzen.

Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac hatte Sharon zur unerwünschten Person erklärt, weil dieser von "wildestem Antisemitismus" in Frankreich gesprochen und die dort lebenden Juden aufgefordert hatte, nach Israel auszuwandern. Dies löste in Frankreich Empörung aus. Die französische Regierung forderte von der israelischen Regierung eine Klarstellung.

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Die deutsche Regierung stellte sich indessen hinter Frankreich. Wie das Auswärtige Amt in Berlin am Mittwoch erklärte, sei Deutschland vollkommen überzeugt, dass Frankreich "mit allen Mitteln" gegen Rassismus und Antisemitismus ankämpfe. Auch habe die deutsche Regierung Kenntnis genommen von den kritischen Reaktionen in der jüdischen Gemeinschaft Frankreichs auf den Auswanderungsaufruf des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon, sagte ein Sprecherin. Die deutsche Bundesregierung wolle sich aber nicht durch Stellungnahmen an der Kontroverse beteiligen.

Der israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, hatte den Sharon-Aufruf verteidigt. Seit der Staatsgründung sei es das Ziel aller Regierungen gewesen, dass Israel letztlich die Heimat aller Juden werde, sagte Stein. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hatte die Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten als "nachvollziehbar, aber nicht neu" bezeichnet. "Es bleibt jedoch die persönliche Entscheidung eines jeden Juden, selbst festzustellen, in welchem Land man leben will. Diese Unabhängigkeit gilt selbstverständlich auch für die Juden in Frankreich. Die israelische Regierung ist gut beraten, dies zu respektieren". (APA/AP/red)

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