Diskussion um Gewinnwarnung und Managergehälter bei VW

28. Juli 2004, 11:42
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Gewinnziel für 2004 laut "FAZ" nach unten korrigiert, keine Bestätigung von VW - Bei Einsparungen werden Topmanager nicht ausgenommen

Wolfsburg/Frankfurt - Europas größter Automobil-Konzern Volkswagen wird einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zufolge sein operatives Gewinnziel für 2004 auf 1,5 bis 2 Mrd. Euro senken. VW selbst bestätigte den Bericht nicht, Analysten halten eine Prognosesenkung allerdings für wahrscheinlich. Bei den geplanten Millionen-Einschnitten beim Personal will VW auch die Topmanager nicht schonen. Es gehe aber "nicht um individuelle Gehaltskürzungen, sondern um eine generelle Senkung der Personalkosten um 30 Prozent bis 2011", sagte VW-Sprecher Stefan Ohletz am Mittwoch. Er wies einen Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) zurück, wonach es "Einschnitte bei Managerbezügen" geben werde.

Gewinnwarnung wird erwartet

Über eine Senkung der Gewinnprognose bei VW wird an den Finanzmärkten bereits seit einiger Zeit spekuliert. Am Mittwoch legte die VW-Aktie dennoch um 2,5 Prozent auf 33,34 Euro zu. "Jeder erwartet inzwischen eine Gewinnwarnung", so ein Händler. "Das Sentiment ist daher schon so negativ, dass das Überraschungspotenzial einfach nicht mehr sehr hoch ist, und man die Aktie deshalb einfach kaufen muss."

Wegen der flauen Konjunktur und des schleppenden Verkaufsstarts beim wichtigsten neuen Modell Golf V wird VW sein operatives Ergebnisziel in diesem Jahr wohl nicht erreichen. Für 2004 rechne VW nur noch mit einem operativen Ergebnis vor Sondereinflüssen von 1,5 bis 2 Mrd. Euro, berichtet die "FAZ" ohne Quellenangabe in ihrer Mittwochausgabe. Bisher hat der Konzern angekündigt, das Vorjahresergebnis von 2,5 Mrd. Euro werde 2004 übertroffen. VW will am Freitag seinen Zwischenbericht vorlegen.

Bei den Sparplänen geht es, wie aus dem Konzern verlautet, nicht um individuelle Gehaltskürzungen, sondern zum Beispiel um Mehrarbeit. Konkurrent DaimlerChrysler hatte Einschnitte beim Top-Personal angekündigt.

Bezüge fallen weiter

Der achtköpfige VW-Vorstand kassierte 2003 laut Geschäftsbericht 13,8 Mio. Euro, 17 Prozent weniger als 2002. Grund waren die schlechteren Geschäftsergebnisse. Bei den 2.700 Topmanagern seien 25 Prozent bei den erfolgsabhängigen Anteilen gespart worden, sagte der Sprecher. Voraussichtlich fallen auch dieses Jahr die Bezüge weiter: Im ersten Quartal hatte VW deutlich weniger Gewinn eingefahren.

Der Personalvorstand des Konzerns, Peter Hartz, hatte angekündigt, dass die Personalkosten bei den tariflich Beschäftigten in Deutschland bis 2011 um 30 Prozent gesenkt werden sollen, um die Arbeitsplätze im Inland zu sichern. VW-Personalchef Josef-Fidelis Senn sagte dem Berliner "Tagesspiegel", dass dies mittels längerer Arbeitszeiten, weniger Lohn und mehr leistungsabhängiger Bezahlung erreicht werden solle. Dann wären die Standortvorteile des Auslands übertroffen. Noch lägen die Arbeitskosten bei VW deutlich über denen der deutschen Wettbewerber, betonte Senn. Im Herbst beginnen die Verhandlungen über den VW-Haustarifvertrag. Weltweit gab der VW-Konzern im vergangenen Jahr 14 Mrd. Euro für Personal aus. Zahlen für Deutschland werden nicht veröffentlicht.

Mehr Lehrlinge, aber geringere Vergütung

Dem Bericht zufolge will VW die Ausbildungsvergütung um 20 Prozent kürzen und die Übernahmeverpflichtung nach der Ausbildung abschaffen. Dafür soll die Zahl der Lehrlinge um ein Fünftel erhöht werden. Der Autokonzern beschäftigt in Deutschland rund 176.000 Menschen. Der Betriebsrat hatte bereits Kompromissbereitschaft signalisiert.

Der Streit über Managergehälter war ausgebrochen, nachdem der Vorstand von DaimlerChrysler selbst Einkommensverzicht angeboten hatte, wenn im Werk Sindelfingen die Arbeitskosten um 500 Mio. Euro sinken würden. (APA/AP/Reuters)

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