Österreicher-Fiasko vollendet

23. Juli 2005, 19:17
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Mit Jürgen Melzer und Stefan Koubek sind die letzten zwei heimischen Vetreter ausgeschieden - in unterschiedlicher Manier

Kitzbühel - Bei den mit einer Million Dollar dotierten Generali open in Kitzbühel steht erstmals seit 2000 kein Österreicher im Achtelfinale. Der als Nummer 12 gesetzte Jürgen Melzer verpasste am Mittwoch mit einer 4:6,2:6-Niederlage gegen den italienischen Außenseiter Martin Vasallo Arguello ebenso den Aufstieg wie Stefan Koubek, der sich Feliciano Lopez (ESP-4) mit 6:3,3:6,4:6 beugen musste. Während die Zuschauer die enttäuschende Leistung des Niederösterreichers mit Pfiffen quittierten, wurde der Kärntner für seine gute Darbietung mit verdientem Beifall verabschiedet.

Koubek mit vollem Einsatz

Koubek kämpfte im Gegensatz zu Melzer mit totalem Einsatz um jeden Punkt, doch vermochte er diesmal den Erfolg von der Vorwoche in Stuttgart nicht zu wiederholen. Je ein Break in Satz zwei und drei gaben diesmal den Ausschlag zu Gunsten des in der Weltrangliste auf Rang 25 geführten Spaniers, der damit in den direkten Duellen auf 3:1 stellte. "Diese zwei Breaks waren der einzige Unterschied. Ich war über das ganze Match der bessere Spieler, aber in diesen zwei Games war er besser", bilanzierte der Österreicher, der damit heuer an seine früheren Kitzbühel-Erfolge (Halbfinale 1999, Viertelfinale 1997 und 2001) nicht anschließen konnte.

Im Entscheidungssatz hatte Koubek nach dem frühen Aufschlagverlust zum 0:1 noch etliche Möglichkeiten, ins Match zurückzukommen, doch der Spanier hatte dank seines starken Service (einmal servierte er mit dem zweiten mit 221 km/h ein Ass) stets das bessere Ende für sich. Wie auch beim 4:5, als Koubek zwei Breakbälle zum 5:5 nicht nützen konnte.

Melzers schwarze Serie

Für Melzer ging die schwarze Serie in Tirol auch heuer weiter, ist er er doch nach seinem vierten Single-Auftritt weiter ohne Sieg. Obwohl sich der Niederösterreicher heuer so lange wie noch nie auf Kitzbühel vorbereitet und gut trainiert hatte, fand er sich wieder nicht mit der Höhenlage dieses Turniers zurecht. Ein Aufschlagverlust zum 4:5 bedeutete den Verlust des ersten Satzes und im zweiten war die Niederlage nach einem 0:4-Rückstand und sichtlicher Resignation vorzeitig besiegelt.

Bereits nach dem ersten Set waren wieder die Gedanken im Kopf aufgetaucht, dass ihm die Verhältnisse in Kitzbühel einfach nicht liegen, und ohne Selbstvertrauen schlitterte der Niederösterreicher dann in diese Pleite. Gegen einen Mann, der im Entry-Ranking nur an 141. Stelle zu finden ist und zuvor auf der ATP-Tour nur ein einziges Match gewonnen hatte. Vassalo gelang dabei der Ball des Tages, als er nach einem Melzer-Lob im Zurücklaufen mit einem spektakulären Schlag durch die Beine punktete.

"700.000 Fehler"

"Jedes Jahr derselbe Mist. Nichts hat funktioniert. Und wenn man 700.000 Fehler macht, dann wird es eben schwierig", ärgerte sich der Deutsch Wagramer, der dennoch für die Pfiffen kein Verständnis hat: "Durch Pfiffe wird nichts besser, in den USA oder anderen Ländern gibt es so was nicht." Bei den Fans entschuldigte er sich trotzdem: "Es tut mir leid für sie, dass es nicht so gelaufen ist, wie es viele erhofft haben."

Eine der Konsequenzen könnte sein, in Kitzbühel in Zukunft nicht mehr anzutreten. Doch ähnliche Andeutungen machte er ja schon im Vorjahr, um dann doch wieder dabei zu sein. Melzer: "Das muss man genau überlegen. Schließlich ist das ein Turnier in Österreich und es wäre schade, wenn man da nicht antritt."

Problemloser Gaudio

Keine Probleme hatte bei seinem ersten Auftritt French Open-Sieger Gaston Gaudio. Der hinter Rainer Schüttler als Nummer zwei gesetzte Argentinier, der nun 16 seiner jüngsten 18 Matches gewonnen und nur die Finali in Baastad und Stuttgart verloren hat, fertigte trotz einer gewissen Müdigkeit den tschechischen Qualifikanten Ivo Minar mit 6:4,6:1 ab.(APA)

  • Jürgen Melzer blieb sich treu und verlor zum Auftakt in Kitzbühel.

    Jürgen Melzer blieb sich treu und verlor zum Auftakt in Kitzbühel.

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