Rechtschreibreform: Deutsche Kulturstaatsministerin gegen Volksabstimmung

28. Juli 2004, 13:37
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Über ein Drittel der Deutschen sowie prominente Schriftsteller lehnen die jüngste Reform ab

Berlin/Hamburg - Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) hat eine Volksabstimmung über die Rechtschreibreform als "populistische Forderung" abgelehnt. "Es gibt Fragestellungen, und dazu gehört die Rechtschreibreform, die nicht für Volksentscheide taugen", sagte Weiss der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" angesichts der Forderung von FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper. Für eine mögliche Überarbeitung der Reform sei allein die Kultusministerkonferenz der Länder zuständig. Auch die Ministerpräsidenten könnten dabei lediglich Hinweise geben.

Zugleich erneuerte Weiss ihre Kritik an der Rechtschreibreform. Bis zum Ablauf der Übergangsfrist am 31. Juli 2005 sei noch Gelegenheit zum Überdenken der neuen Regeln. "Ich sehe die Chance, Zweifelsfälle zu klären."

Ablehnung

Mehrere prominente Schriftsteller haben in der "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe) die Rechtschreibreform kritisiert. "Die Idee dieser Reform wurde aus bürokratischem Müßiggang geboren", wird Martin Walser zitiert. Er würde "sich freuen", wenn die Reform zurückgenommen würde und erklärte, er boykottiere die neuen Regeln: "Ich schreibe weiter, wie ich will."

"Die Rechtschreibreform sollte sofort gestoppt werden", erklärte der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg den Angaben zufolge. "Sie ist unnötig wie ein Kropf und hat keine Verbesserung gebracht, sondern nur mehr Unsicherheit geschaffen." Ähnlich äußerte sich der Autor Georg Klein, der die Rechtschreibreform "weniger als halbherzig" nannte. Es sei keine Schande, etwas Missratenes aus der Welt zurückzurufen. "Wir sollten zur alten Rechtschreibung zurückkehren, bis unsere Fantasie und unser Mumm für eine wirkliche Erneuerung ausreichen", sagte er laut "Bild".

Umfrage

Einer repräsentativen emnid-Umfrage im Auftrag der TV-Zeitschrift "Bildwoche" zufolge halten sechs Jahre nach der Einführung mehr als Dreiviertel (77 Prozent) der Deutschen die Reform für nicht sinnvoll. Vor allem ältere Menschen lehnen demnach die neuen Schreibregeln ab. Bei den 30- bis 40-Jährigen waren es 81 Prozent, bei den bis zu 59- Jährigen 83 Prozent. (APA/AP)

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