Weiter Tauziehen um Sparpaket

22. Juli 2004, 07:52
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Betriebsratschef: Verhandlungen in schwieriger Phase - Einigung noch am Mittwoch ungewiss - Gespräche hinter verschlossenen Türen

Stuttgart - Im Tauziehen um das Millionensparprogramm bei DaimlerChrysler hat sich am Mittwoch weiter keine Einigung abgezeichnet. Die Verhandlungen zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat wurden am Mittag in der Stuttgarter Konzernzentrale fortgesetzt. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm sagte vor Verhandlungsbeginn: "Wir sind in einer ganz schwierigen Phase." Der Vorstand beharre weiter auf der Einsparsumme von 500 Millionen. Euro. Die Arbeitnehmer haben bisher Einsparungen von 200 Mio. Euro angeboten.

Gespräche hinter verschlossenen Türen

Die Gespräche finden in der Stuttgarter Konzernzentrale des Autobauers unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Es wird erwartet, dass die Verhandlungen bis spät in den Abend dauern. Ob es noch am Mittwoch zu einer Einigung komme, sei völlig ungewiss, hieß es im Betriebsrat. Am Dienstag war aus Verhandlungskreisen verlautet, beim Sparvolumen habe es bereits eine Annäherung gegeben. Allerdings sei weiter umstritten, wie die Einsparungen erreicht werden sollten.

Klemm sagte: "Wir verhandeln mit dem Ziel, bis zum Jahr 2012 Investitionen und Beschäftigung zu sichern." Besonders umstritten ist den Angaben zufolge die Kürzung der Schichtzuschläge und der Steinkühler-Pause von fünf Minuten pro Arbeitsstunde. Klemm sagte, da müsse der Vorstand noch springen. "Es geht auch um den Erhalt des Flächentarifvertrags." Die höheren Schichtzuschläge und die Pausenregelung gelten nur für einen bestimmten Teil des Tarifgebiets in Baden-Württemberg.

Neue Proteste im Werk Sindelfingen

In Sindelfingen gab es erneut Proteste gegen die Sparpläne. Mehrere hundert Mitarbeiter aus dem Bereich Logistik fuhren mit Gabelstaplern um das größte deutsche Mercedes-Werk. Annäherung gab es laut Verhandlungskreisen bislang nur bei der Einführung der 40-Stunden-Woche mit Lohnausgleich für Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung. Davon wären rund 20.000 Mitarbeiter betroffen. Es werde auch über einen Ergänzungstarifvertrag für die Dienstleistungsbereiche bei DaimlerChrysler gesprochen. Eine schnelle Einigung sei unwahrscheinlich. Im Unternehmen war von "konstruktiven Gesprächen" die Rede.

DaimlerChrysler droht mit dem Wegfall von 6.000 Arbeitsplätzen in Sindelfingen, wenn es zu keiner Einigung mit dem Gesamtbetriebsrat kommt. Dann soll die neue C-Klasse ab 2007 nur noch im Werk Bremen und zum kleinen Teil auch in Südafrika vom Band rollen. In Sindelfingen würde dann das neue Modell nicht mehr produziert.

Ministerpräsident ruft zu Einigung auf

Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) wehrte sich unterdessen einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" zufolge gegen den Begriff der "baden-württembergischen Krankheit", den Mercedes-Chef Jürgen Hubbert im Streit um die Arbeitskosten im Sindelfinger Werk benutzt hatte, und rief die beiden Konfliktparteien zu einer Einigung auf. Werde kein Kompromiss gefunden, nehme nicht nur das Unternehmen, sondern auch das Land einen erheblichen Schaden. Deutschland würde davon nicht profitieren, sagte Teufel.

Die IG Metall hat eigenen Angaben zufolge kein Interesse an einer weiteren Eskalation des Konflikts. Gewerkschaftschef Jürgen Peters sagte der Hannoverschen "Neuen Presse" (Mittwochaugabe), es werde "sicher" eine Einigung geben. Zur Begründung gab er an, der jetzige Zustand könne nicht von Dauer sein. Peters betonte, die Gewerkschaft wolle einen tragfähigen Kompromiss, einen Eingriff in den Tarifvertrag werde es aber nicht geben. Die IG Metall werde im Streit um längere Arbeitszeiten einen "Dammbruch" verhindern, fügte er hinzu. Auch die Beschäftigten wüssten, dass es um mehr geht als um Daimler. (APA/AP/dpa)

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