Grüne: "Verschämtes Taferl" reicht nicht

21. Juli 2004, 19:47
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Die Verweigerung der Benennung eines Kasernen-Hofes nach Bernardis nennt Terezija Stoisits "beschämend"

Wien - Kritik an der Vorgangsweise von Verteidigungsminister Günther Platter (V) im Zusammenhang mit der Ehrung für den hingerichteten Widerstandskämpfer Oberst Robert Bernardis kommt von den Grünen. "Irgendwo ein verschämtes Taferl anzubringen und es feierlich zu enthüllen ist sicherlich kein ausreichendes Gedenken für Menschen, die unter der NS-Herrschaft Menschlichkeit, Mut und Zivilcourage bewiesen haben", so die Abgeordnete Terezija Stoisits am Mittwoch in einer Aussendung. "Beschämend" sei, dass das offizielle Österreich die Benennung eines Innenhofes der Rossauer Kaserne nach Bernardis verweigere.

Stoisits erinnerte auch daran, dass in Deutschland im Jahr 2000 eine Kaserne der Bundeswehr nach dem aus Wien stammenden Feldwebel der Wehrmacht Anton Schmid benannt worden sei. Schmid hatte bis zu 300 Jüdinnen und Juden gerettet und war deshalb von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt und erschossen wurde. Von Platter verlangte sie eine Antwort auf die Frage, ob er auch der "ewig gestrigen Traditionspflege bzw. Ideologie" anhänge wie sein Vorgänger Herbert Scheibner (F).

Dieser habe zu einer Anfrage, warum zwar Deutschland eines österreichischen NS-Opfers gedenke, nicht aber das offizielle Österreich, auf die geltende Rechtsordnung verwiesen und gemeint, Befehlsverweigerung könne keine Grundlage für die Benennung von Kasernen bilden, da Ungehorsam ein mit Freiheitsstrafe bedrohter militärstrafrechtlicher Tatbestand sei.

Barnet lehnt Umbenennung ab

Für die FPÖ meldete sich am Mittwoch der frühere Scheibner-Mitarbeiter und Wiener Landtagsabgeordnete Günther Barnet zu Wort. Er lehnt die Umbenennung einer Kaserne nach Bernardis ab. Beim österreichischen Bundesheer sei es üblich, bestehende Kasernen nicht neu zu benennen. Auch stehe das Bundesheer nicht in Tradition mit der Wehrmacht, weder in positiver noch in negativer Hinsicht. Dazu komme, dass in Wien bereits die Biedermann-Huth-Raschke-Kaserne nach Widerstandskämpfern benannt sei. Das Vorhaben Platters für eine Gedenktafel unterstützt Barnet freilich. Und er könnte sich vorstellen, einen Hof der Rossauer Kaserne nach Bernardis zu benennen. (Apa)

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