"US-Armee hat geduldet und gestützt, was wir getan haben"

23. Juli 2004, 08:52
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Prozess um Misshandlung afghanischer Zivilisten in Kabul: US-Angeklagte beschuldigten Pentagon der Mitwisserschaft

Kabul - Bei ihrer ersten Anhörung vor einem afghanischen Gericht haben drei US-Bürger, die Zivilisten misshandelt haben sollen, die US-Regierung der Mitwisserschaft beschuldigt. "Die amerikanische Armee hat geduldet und unterstützt, was wir getan haben", sagte der Anführer der Gruppe, Jonathan Idema, am Mittwoch in Kabul. Er habe mit seinen Mitstreitern mehrere Monate lang mit der "vollen Deckung" der US-Behörden gehandelt. "Mindestens zweimal" habe seine Gruppe mutmaßliche Terroristen den internationalen Truppen zum Verhör übergeben. Die Kontakte zu ranghohen Mitarbeitern des US-Verteidigungsministeriums könne er durch E-Mails, Faxe und Aufzeichnungen belegen.

Der Gerichtsvorsitzende vertagte die Verhandlung, um der Verteidigung mehr Zeit zur Vorbereitung zu geben. Der Prozess soll in spätestens 20 Tagen fortgesetzt werden. Den Angeklagten drohen bei einer Verurteilung Haftstrafen zwischen 16 und 20 Jahren. Die afghanischen und die US-Behörden beschuldigen Idema, zwei weitere US-Bürger und vier afghanische Komplizen, in Afghanistan einen privaten Anti-Terror-Feldzug ohne Wissen der Behörden geführt zu haben. Die Gruppe behauptet dagegen, sie sei vom Pentagon fallen gelassen worden. Die US-Armee hatte vor Bekanntwerden der Verhaftung Anfang Juli eine Warnung ausgegeben, dass ein Mann namens Idema sich als Vertreter der US-Truppen ausgebe, obwohl er nicht in Verbindung mit den US-Behörden stehe.

Nach Misshandlungsvorwürfen früherer afghanischer Gefangener hatten die US-Streitkräfte in Afghanistan im Mai eine Untersuchung einleiten lassen. Nach den Misshandlungen im Irak hatte die Unabhängige Menschenrechtskommission in Afghanistan (AIHRC) Zugang zu den dortigen Gefangenen gefordert. Im März hatte die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch (HRW) US-Soldaten in Afghanistan vorgeworfen, Gefangene gefoltert zu haben. (APA)

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    Die drei US-Soldaten müssen sich in Kabul wegen Misshandlung afghanischer Zivilisten vor Gericht verantworten.

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