Diskussion um Gehaltsverzicht deutscher Top-Manager

21. Juli 2004, 18:33
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Früherer SPD-Vorsitzender Hans-Jochen Vogel: "Bei hundertfachem Arbeiterlohn ist Schluss" - Bei Siemens seien Manager-Gehälter bereits gekürzt worden, so der Konzern

Hamburg/Berlin - In Deutschland ist eine Diskussion über eine Reduzierung der Gehälter von Top-Managern entbrannt. Dazu gibt es nun einen ersten konkreten Vorschlag, der vom früheren SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel stammt: Die Bezüge von Vorstandsmitgliedern sollten bei der hundertfachen Lohnsumme eines Facharbeiters gedeckelt werden, sagte Vogel der "Berliner Zeitung".

In der Vergangenheit habe ein Vorstandsvorsitzender in der Regel das 20- oder 30-fache eines Facharbeiters verdient. Dass nun teils das 200- bis 370-fache bezahlt werde, sei "maßlos" und bedürfe der Korrektur. Der SPD-Politiker forderte außerdem, Managerbezüge offenzulegen.

"Manager-Gehälter auf USA-, Löhne auf Osteuropa-Niveau"

Der wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner, sagte zuvor bereits: "Manager-Gehälter auf USA-Niveau, aber Löhne in Richtung Osteuropa fordern, das passt nicht zusammen. Wer so handelt, setzt den sozialen Frieden aufs Spiel. Ich fordere die Unternehmer auf, die Balance zu wahren. Die Lohnkosten sind nicht das zentrale Problem in Deutschland."

Karl-Josef Laumann von der CDU nannte die Managergehälter "vielfach übertrieben. Wenn schon Einschnitte bei den Arbeitnehmern verlangt werden, wäre auch eine neue Bescheidenheit in den Chefetagen hilfreich."

FDP-Brüderle: "Heuchlerisch"

Für den FDP-Parteivize Rainer Brüderle ist das Verhalten der SPD und der Gewerkschaften in der Diskussion um die Managementgehälter jedoch "absolut heuchlerisch. Bei den Vorstandsbezügen heben die Gewerkschaften in den Aufsichtsräten regelmäßig die Hand. Hinterher tun sie so, als hätten sie von alledem nichts gewusst."

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth hat das Angebot des DaimlerChrysler-Vorstandes begrüßt, bei Zugeständnissen der Belegschaft selbst auf einen Teil der Bezüge zu verzichten. Es könne nicht richtig sein, wenn Vorstände Sparen predigten und selbst wie im Fall DaimlerChrysler seit dem Jahr 2000 ihre Bezüge um 130 Prozent erhöhten, schreibt der frühere Jenoptik- Chef in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" (Mittwochausgabe).

Siemens: "Längst vollzogen"

Der Siemens-Konzern hat nach eigenen Angaben bereits vor der aktuellen Diskussion um die Management-Gehälter die Einkommen seiner Führungskräfte gekürzt. "Das haben wir längst vollzogen", sagte ein Siemens-Sprecher in München. Nach derzeitigem Stand würden die Bezüge der Konzern-Vorstände im laufenden Geschäftsjahr um etwa zehn Prozent sinken. Im vergangenen Jahr lag die Gesamtvergütung bei Siemens rechnerisch bei 2,4 Millionen Euro pro Konzern-Vorstand.

Auch der Opel-Betriebsrat hat einen Sparbeitrag vom eigenen Top- Management verlangt. "Der Zukunftsvertrag für Opel wird alle Beschäftigten betreffen, einschließlich des Managements. Da muss auch der Vorstand seinen Beitrag leisten", hatte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz der "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe). Vorstände müssten ein Zeichen setzen. "Die gefühlte Ungerechtigkeit hat in Deutschland enorm zugenommen", sagte Franz. (APA/dpa/red)

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