Weniger Reden, mehr Effekte bei Eröffnungszeremonie

21. Juli 2004, 18:52
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Bundespräsident Fischer eröffnete: "Verständnis für moderne Kunst erarbeiten" - Sanierungsvertrag für Umbau des Festspielhauses unterzeichnet

Bregenz - Der neue Bundespräsident Heinz Fischer hat heute, Mittwoch, Vormittag zum ersten Mal die Bregenzer Festspiele eröffnet, die mit über 86 Veranstaltungen (205.000 Tickets) bis 22. August dauern. Erstmals hat mit Wolfgang Schüssel (V) auch der Bundeskanzler bei der von Neo-Intendant David Pountney wirkungsvoll inszenierten Eröffnung das Wort ergriffen. Zuvor wurde der 40 Mio. Euro-Sanierungsvertrag für den Umbau (2005/06) des Festspielhauses unterzeichnet. Künstlerischer Auftakt am Abend ist die Premiere der Opern-Einakter "Der Protagonist/Royal Palace" von Kurt Weill. Als Spiel auf dem See hat morgen, Donnerstag, die Erfolgsproduktion aus dem Vorjahr - Leonard Bernsteins "West Side Story" - Premiere.

Pountney gestaltete erfrischend unkonventionelle Eröffnungszeremonie

Die von Pountney moderierte, erfrischend unkonventionelle Eröffnungszeremonie im Festspielhaus erwies sich als gute Werbung für die Festspiele und wartete mit weniger Ansprachen, dafür mit Spiel- und Showeffekten auf. Bevor etwa der Bundeskanzler ans Rednerpult durfte, wurde er von einem Opern-General gestört, Schüssel ließ sich aber nicht beirren und schickte den singenden Uniformträger unter Beifall von der Bühne.

Fischer: Bedeutung der Kunst für Gesellschaft, schließe auch die nicht breit "anerkannte" Kunst ein

Bundespräsident Fischer betonte in seiner Eröffnungsrede, die Bregenzer Festspiele seien ein erstklassiges und hochkarätiges Musikfestival. Fischer wies erneut auf die Bedeutung von Kunst und Wissenschaft für unsere Gesellschaft hin und ergänzte, "dass damit natürlich nicht nur jene Künstler und jene Kunstwerke gemeint sind, die man als anerkannt bezeichnen kann, sondern dass dies der Kunst schlechthin, auch der modernen Kunst gilt". Moderne Kunst sei nicht immer verständlich und zugänglich, daher müsse man sich "das Verständnis moderner Kunst erarbeiten". Kunstwahrnehmung müsse als Dialog verstanden werden, zu dem der Künstler ebenso bereit sein müsse wie der Rezipient.

Neue Akzente des neuen Intendaten mit Kurt Weill Programmschiene

In seinem ersten Jahr als Bregenzer Intendant setzt David Pountney neue Akzente mit einer Kurt Weill Programmschiene - diese reicht von der Oper im Festspielhaus über die Orchesterkonzerte der Wiener Symphoniker, die von Pountney inszenierte "subversive" Weill-Operette "Der Kuhhandel" im Theater am Kornmarkt bis zur "Kunst aus der Zeit" (KAZ) auf der Werkstattbühne mit österreichischen Erstaufführungen und einer Uraufführung: Zu den Highlights gehören "The Story of Io", die jüngste Oper des britischen Komponisten Sir Harrison Birtwistle, in Zusammenarbeit mit der Aldeburgh Almeida Opera, weiters Kurt Weills Ballett "Die Zaubernacht", eine Koproduktion mit der abcdancecompany St. Pölten, sowie "Hoffmanniana" des jungen Vorarlberger Komponisten Thomas Dézsy.

Unterzeichnung des Sanierungsvertrags sei für Rhomberg ein "glücklicher Tag"

Festspielpräsident Günter Rhomberg empfand die Unterzeichnung des Finanzierungsvertrages zwischen den Subventionsgebern Bund, Land und Landeshauptstadt sowie den Festspielen als Grundlage für die Sanierung des gesamten Festspielhauskomplexes als "glücklichen Tag". "Mit Stolz" wies Rhomberg darauf hin, dass es gelungen sei, den Bregenzer Festspielen "jenes künstlerisch hochwertige Profil zu verleihen, das es uns ermöglicht hat, trotz rückläufiger finanzieller Unterstützung der Öffentlichen Hand, das Programm jeweils zu erweitern und qualitativ zu erhöhen". (APA)

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