Platter plant Gedenktafel für Bernardis

21. Juli 2004, 11:54
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Denkmalkommission soll Text und Ort der Anbringung vorschlagen - Broukal empfiehlt Ehrung eines größeren Personenkreises

Wien - Oberst Robert Bernardis, der im August 1944 wegen seiner Verwicklung in das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 hingerichtet worden war, soll beim österreichischen Bundesheer nun doch zu Ehren kommen: Verteidigungsminister Günther Platter (V) hat am Mittwoch per Aussendung die Anfertigung einer Gedenktafel angekündigt. Text und Ort der Anbringung solle die "militärhistorischen Denkmalkommission" empfehlen. Unter Berufung auf diese Kommission hatte Platter die Benennung einer Kaserne oder eines Hofes im Verteidigungsministerium nach Bernardis abgelehnt.

Symbolische Würdigung

"Die Rolle von Soldaten aus Österreich im Widerstand gegen Hitler soll damit symbolisch gewürdigt werden, denn der Nationalsozialismus zählt zu den dunkelsten Kapiteln in der österreichischen Geschichte", so Platter. Der Minister verwies zudem noch einmal auf das für den Herbst geplante Symposium der Landesverteidigungsakademie und die "Tyrannenmord"-Ausstellung im Heeresgeschichtlichen Museum: "Es ist mir wichtig, dass die Rolle von Österreichern im Widerstand gegen Hitler umfassend aufgearbeitet wird."

Enthüllt werden soll die Tafel laut Platter im Rahmen einer Gedenktafel. Einen Termin dafür gibt es nach Auskunft aus dem Verteidigungsministerium noch nicht.

Broukal: Verschämte Gedenktafel ist zu wenig

Der SPÖ-Abgeordnete Josef Broukal, der das Nein Platters zu einer Kasernen-Benennung scharf kritisiert hatte, gratulierte dem Minister, dass er sich von den "Bedenkenträgern" in seinem Ministerium frei gemacht habe. Jedoch: "Eine verschämte Gedenktafel für Robert Bernardis ist zu wenig", sagte er in einer Aussendung. In der Öffentlichkeit gebe es sicher breite Zustimmung für eine sichtbarere Würdigung.

"Auch Anton Schmid ehren"

Geehrt werden sollte allerdings ein über Bernardis hinausgehender Personenkreis, so Broukal. Ohne öffentliche Anerkennung in Wien sei bisher etwa der Wiener Anton Schmid, der als Feldwebel der deutschen Wehrmacht an die 300 Juden aus dem Wilnaer Ghetto gerettet und den Aufstand im Warschauer Ghetto mitgeplant hat. Dafür wurde Schmid 1943 hingerichtet. In Deutschland sei bereits vor einigen Jahren eine Kaserne nach Schmid benannt worden.

Darüber hinaus sollte eine Kommission unter Einbindung von Wolfgang Neugebauer vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes die Namen aller Widerstandskämpfer in deutscher Uniform erheben, um dann jene auszuwählen, deren Beispiel es wert ist, in ewiger Erinnerung zu bleiben. Und Broukal kritisierte, dass in der Militärakademie in Wr. Neustadt nach wie vor ein Ölgemälde von Generalfeldmarschall Erwin Rommel gezeigt werde. (Apa)

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