Halbjahres-Plus bei One, Preiskampf geht weiter

8. September 2004, 14:01
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Mitarbeiterabbau bringt 12 Millionen Euro Kosteneinsparungen pro Jahr - Umsatz um sechs Prozent auf 355 Millionen Euro gestiegen

Wien (APA) - Österreichs drittgrößter Mobilfunkbetreiber One hat von Jänner bis Juni 2004 ein Umsatz- und Ergebnisplus eingefahren. Das "zufrieden stellende" Halbjahresergebnis, das auf Einmaleffekte sowie auf Kosteneinsparungen im Zuge der Restrukturierung der vergangenen neun Monate zurückzuführen sei, stehe "im Schatten des Mitarbeiterabbaus", sagte One-Chef Jorgen Bang-Jensen Dienstag Abend vor Journalisten. Per Ende Juni habe man sich bereits von 170 Mitarbeitern getrennt, insgesamt sollen 225 abgebaut werden. Für das Gesamtjahr erwarte man insgesamt ein Ergebnisplus, wiewohl ein Ende des Preiskampfs in der Sprachtelefonie nicht abzusehen sei.

Die Kosten für den Mitarbeiterabbau über die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinaus - für 170 der betroffenen 225 Mitarbeiter wurde ein Sozialplan erstellt - bezifferte Bang-Jensen mit vier Mio. Euro. Die Personalreduktion werde Einsparungen in Höhe von 12 Mio. Euro pro Jahr bringen. One beschäftigt aktuell 970 Mitarbeiter, davon 860 Vollzeitkräfte.

Abbau "leider notwendig"

Der Abbau sei eine "ernste Entwicklung", die auf Grund des preis- und wettbewerbsintensiven Mobilfunkmarkts Österreich und der hinter den Erwartungen gebliebenen Umsatzentwicklung bei der dritten Mobilfunktechnologie UMTS "leider notwendig" gewesen sei, um die "gute Entwicklung des Unternehmens" auch für die nächsten Jahre zu sichern. One hat in den vergangenen Monaten mehrfach an der Kostenschraube gedreht, neben dem Mitarbeiterabbau wurde u.a. auch das Netzwerk an Alcatel ausgelagert.

Der Umsatz von One stieg im Halbjahr um sechs Prozent auf 355 Mio. Euro. Das Umsatzplus sei auf die gestiegene Kunden- und Gesprächsminutenzahl zurückzuführen, wobei der Umsatz pro Minute in Folge des Preiskampfs aber gesunken sei, führte Bang-Jensen aus. One hat aktuell 1,5 Mio. Handykunden, 145.000 Festnetz- und 150.000 Internetkunden. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich um 10,6 Prozent auf 115 Mio. Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) um 40 Prozent auf 35 Mio. Euro. Das Nettoergebnis drehte von minus 3,1 auf plus 13 Mio. Euro, die EBITDA-Marge erhöhte sich von 31,7 auf 32,4 Prozent.

Einmaleffekt

Beim Ergebnisplus sei ein Einmaleffekt - die Auflösung der Rückstellungen für die Universaldienstverordnung - zu beachten, wobei es auch im Vorjahr einen Einmaleffekt in etwa derselben Höhe gegeben habe, womit das Ergebnis direkt vergleichbar sei, erläuterte Bang-Jensen. Die Telekom Austria (TA) hatte sich im April nach einem jahrelangen Streit um Forderungen aus der Universaldienstverordnung mit 12 alternativen Telekombetreibern - darunter One - auf privatrechtlichem Weg auf einen Ausgleich geeinigt und bekam für von 1999 bis 2004 erbrachte Leistungen wie den Betrieb von öffentlichen Telefonzellen und die Wartung von Telefonleitungen in entlegenen Gebieten insgesamt 22 Mio. Euro. Den von One bezahlten Betrag wollte Bang-Jensen nicht nennen.

Personaleinsparungen fließen in Marktauftritt

One wolle auch künftig an der Position des drittgrößten Mobilfunkbetreibers in Österreich festhalten, wiewohl dies "viel Geld kosten" werde, sagte Jorgen Bang-Jensen weiters. Ein Ende des Preiskampfs in der Sprachtelefonie sei in den nächsten Monaten nicht absehbar. Die durch den Mitarbeiterabbau eingesparten Kosten in Höhe von 12 Mio. Euro werde man künftig in einen starken Marktauftritt investieren, kündigte Bang-Jensen an.

Von extrem hohen Kundenakquisitionskosten - etwa des Mitbewerbers Hutchison - hält Bang-Jensen aber nicht viel: "Bei uns werden die Kosten für Neukunden in sechs bis zwölf Monaten zurückverdient". Der Marktanteil von One liege aktuell bei 21 Prozent. Die Wechsel-Rate von Kunden (Churn-Rate) sei "stabil". Bei Geschäftskunden habe One den Marktanteil zuletzt von 12 auf 14 Prozent ausgebaut, wobei größere Marktanteilsverschiebungen erst durch die Einführung der mobilen Rufnummernmitnahme ab Mitte Oktober zu erwarten seien. Dann werde auch die Kooperation mit dem Telekombetreiber eTel besser laufen, zumal die Kunden derzeit mit einem Betreiberwechsel zuwarten würden, bis die Rufnummernportabilität komme. eTel ist nach UPC Telekabel und Tele2 der dritte Kooperationspartner, der die freien Kapazitäten im One-Netz nützt.

Beispiel Dänemark

Als Beispiel, wohin sich der von Überkapazitäten geprägte österreichische Mobilfunkmarkt hin entwickeln könnte, nannte Bang-Jensen Dänemark, wo sich - nach vier Jahren intensiven Preiswettbewerbs - der dritt- und viertgrößte Betreiber zum Marktzweiten zusammengeschlossen hätten. "Für den kleinsten Betreiber rechnet sich der Business-Case nie. Es reicht nicht, Cash Flow-positiv zu sein, es müssen auch die Investitionen zurückverdient werden", so Bang-Jensen. Auf Österreich umgelegt, würde das einen Zusammenschluss von One und tele.ring bedeuten. "Ich will keine Gerüchte in die Welt setzen", betonte Bang-Jensen. In Österreich gebe es den Preiskampf außerdem erst seit einem Jahr. One sehe sich im Markt jedenfalls aber nicht als Übernahmekandidat, sondern aktiven Mitspieler.

Die dritte Handygeneration UMTS wolle One ab dem vierten Quartal aktiv vermarkten, wenn eine Reihe von funktionellen Handsets verfügbar sei, kündigte Bang-Jensen an. Das Netzwerk stehe, man teste derzeit Videotelefonie und schnelles Web-Surfen. Allerdings gebe es noch Qualitätsprobleme, vor allem beim Wechsel zwischen der zweiten und der dritten Generation. Von den rund 100 Mio. Euro an Investitionen, die One heuer tätigt, fließen 80 Prozent in den Aufbau von UMTS.

Der durchschnittliche Monats-Umsatz pro Kunde (ARPU) sei mit 35 Euro im Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben, wobei die Minutenzahl gestiegen, der Umsatz pro Minute aber gesunken sei. Der Umsatzanteil von Datendiensten liege bei 14 Prozent, wobei mehr als 80 Prozent auf das Versenden von SMS-Kurzmitteilungen entfalle. Eine nennenswerte Steigerung der Umsätze mit Datendiensten erwartet Bang-Jensen ab Mitte 2005 bzw. dem Jahr 2006.

WLan-Entwicklung lässt zu wünschen übrig

"Unzufrieden" zeigte sich Bang-Jensen mit der Entwicklung der Drahtlos-Funktechnologie WLan. Die 500 Hotspots von One würden zwar verwendet, aber die Steigerungen seien nicht so stark wie ursprünglich erhofft.

Ob sich One bei den für Oktober geplanten Auktionen von GSM-Handylizenzen und von Richtfunklizenzen (so genannte Wireless Local Loop- oder kurz WLL-Frequenzen) beteilige, werde derzeit noch geprüft, so Bang-Jensen, der seit Oktober 1997 die Geschicke von One leitet.

E.ON-Ausstieg für heuer ausgeschlossen

Noch heuer sollen die aktuellen Verhandlungen über eine dritte Projektfinanzierung für One abgeschlossen werden, der Rahmen sei im Volumen einer hohen dreistelligen Mio.-Euro-Zahl, so Bang-Jensen. Damit könne One Darlehen zurückzahlen.

Einen Ausstieg des deutschen Energiekonzerns E.ON, der seine 50,1 Prozent an One mittelfristig verkaufen will, schließt Bang-Jensen für heuer aus. Die restlichen Anteile an One halten die norwegische Telenor (17,45 Prozent), die französische Orange (17,45 Prozent) und die dänische TDC (15 Prozent). (APA)

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