Revolte gegen "fliegende Händler" an Italiens Stränden

28. Juli 2004, 12:48
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200.000 Straßenhändler verkaufen an den Adria-Stränden gefälschte Produkte - Kaufleute drohen mit Protesten

Rom - Die italienischen Kaufleute revoltieren gegen die fliegenden Händler, die auf den Stränden des Stiefelstaates Produktplagiate jeder Art anbieten. Vor allem unter den Kaufleuten an der Adria herrscht Alarmstufe rot. Über 200.000 illegale Straßenhändler sind von Jesolo bis im Süden unterwegs und verkaufen von der gefälschten Rolex bis zum nachgemachten Lacoste-Shirt.

Polizei gefordert

Die Kaufleute der Adria drohten mit einer Protestkundgebung, wenn die Polizei nicht massiver gegen Straßenhändler vorgeht. Nach Angaben des Markenherstellerverbands Centromarca werden nur in Südkorea und Taiwan mehr gefälschte Artikel als in Italien verkauft.

Für 80 Prozent aller Industrieprodukte gibt es bereits Plagiate mit einem dem Original ähnlichen Namen. Wer in Italien auf Shopping-Tour geht, wird auch nicht enttäuscht: Ob Raubkopien von Videos, CDs und Computerspiele oder gefälschte Prada-Schuhe - auf den Straßen findet sich fast alles.

Häufig keine Arbeitserlaubnis

Nicht nur an den Stränden, sondern auch in den italienischen Kunststädten boomt das Geschäft mit den Plagiaten. An der Piazza Navona, am Kolosseum, an der Piazza di Spagna oder am Trevi-Brunnen in Rom stehen die fliegenden Händler mit ihren ausnahmslos gefälschten Waren. Viele der Verkäufer sind illegal nach Italien eingereist und haben keine Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis. Sie werden zu hunderten von der Fälscher-Mafia angeworben, die in versteckten Zentralen Videos, CDs und Computerspiele herstellt, und sie dann an die Verkäufer verteilen.

Plagiate machen inzwischen zehn Prozent des Welthandels aus. Hochburg der Fälscher, die oft Verbindungen zur Mafia haben, ist in Italien Neapel. Im vergangenen Jahr war ein Gesetz verabschiedet worden, wonach Personen, die beim Kauf von geklonten CDs oder DVDs ertappt werden, eine Geldstrafe bis zu 150 Euro droht. Bei "Vorbestraften" kann die Geldstrafe sogar auf 1.032 Euro klettern. Die Namen der "Schuldigen" sollen in Tageszeitungen veröffentlicht werden. Diese Maßnahmen will die Regierung nun auch auf Hersteller und Käufer gefälschter Taschen und Kleidungsstücke erweitern.

Minister verspricht Abhilfe

Innenminister Giuseppe Pisanu versprach einen verschärften Einsatz gegen Plagiate. "Man muss vor allem die Köpfe der italienischen und internationalen Organisationen verfolgen, die sich durch Fälschungen bereichern", erklärte der Minister. (APA)

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    Über 200.000 illegale Straßenhändler sind von Jesolo bis ganz im Süden unterwegs und verkaufen von der gefälschten Rolex bis zum nachgemachten Lacoste-Shirt.

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