Westjordanland: Anschlag auf Arafat-Kritiker

21. Juli 2004, 18:43
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Nabil Amr von Unbekannten überfallen und schwer verletzt

Ramallah - Ein Kritiker von Palästinenserführer Yasser Arafat ist am späten Dienstagabend in Ramallah im Westjordanland von Unbekannten angeschossen worden. Wie der britische Sender BBC unter Berufung auf die Familie des früheren palästinensischen Informationsminister berichtete, wurde Nabil Amrs Bein von zwei Schüssen getroffen.

Amr hatte Arafat mehrfach zum Durchgreifen gegen Korruption in der Autonomiebehörde aufgerufen und demokratische Reformen angemahnt. Es habe sich zunächst niemand zu dem Anschlag auf den 47-Jährigen bekannt. Bereits vor einem Jahr hatte es einen Anschlag gegen das Haus von Amr gegeben, nachdem er den Führungsstil Arafats kritisiert hatte.

Der palästinensische Regierungschef Ahmed Korei bleibt trotz des ungelösten Streits um Reformen und die Kontrolle über die Sicherheitskräfte vorerst im Amt. Ein Krisentreffen mit Arafat habe keine Lösung des politischen Konflikts gebracht, Korei werde aber als Chef einer Übergangsregierung auf seinem Posten bleiben, sagten Minister nach dem Treffen am Dienstag in Ramallah. Korei hatte aus Protest gegen die Sicherheitslage im Gazastreifen und wegen des Stillstandes bei den Reformen am Samstag seinen Rücktritt erklärt. Arafat weigerte sich auch am Dienstag, diesen anzuerkennen.

Teilnehmer des Krisentreffens berichteten, Korei habe erneut ohne Erfolg um seinen Rücktritt gebeten. Der palästinensische Minister Kadura Fares betonte danach, es handele sich jetzt nur noch um eine Übergangsregierung. Zuvor hatte Kommunikationsminister Asam el Ahmed gesagt, Korei wolle an seinem Rücktritt nicht mehr festhalten. Ein Berater Arafats vertrat die Auffassung, die Regierungstätigkeit laufe normal weiter. In den unterschiedlichen Darstellungen sahen Beobachter das Bemühen, die Krise für beendet zu erklären.

Wegen der unsicheren Lage im Gazastreifen zieht das UNO-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) 20 seiner Mitarbeiter aus dem Gazastreifen ab. Diese Helfer seien derzeit besonderen Gefahren ausgesetzt, weil sie wegen ihrer Aufgaben häufig ein- und ausreisen müssten, sagte UNRWA-Sprecher Paul McCann in Gaza. Seit dem Wochenende hatte es im Gazastreifen mehrere gewaltsame Demonstrationen gegen Korruption in der palästinensischen Führung gegeben. (APA/dpa)

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