Greenspan sieht keine Wolken an US-Konjunkturhimmel

28. Juli 2004, 13:07
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US-Notenbankchef spricht von "Phase selbsttragenden Wachstums" - Zinsen steigen

Washington - US-Notenbankchef Alan Greenspan sieht trotz langsamer wachsender Verbraucherausgaben in den USA keinen Anlass zur Sorge über die Konjunkturentwicklung. Die Phase sei wahrscheinlich von kurzer Dauer, sagte Greenspan am Dienstag vor dem Bankenausschuss des Senats. Dort präsentierte er seinen halbjährlichen Konjunkturausblick.

Die Wirtschaft habe eine Phase "selbst tragenden Wachstums" erreicht, so Greenspan. Die Notenbank erwartet für das Gesamtjahr ein Wirtschaftswachstum von 4 bis 4,75 Prozent. Im Februar war Greenspan noch von fünf Prozent ausgegangen. Greenspan deutete an, dass die Leitzinsen weiter in kleinen Schritten erhöht werden. Er hatte die Zinswende vor drei Wochen eingeleitet: Der Satz für Tagesgeld wurde erstmals in vier Jahren und nach einem Jahr auf dem historischen Tief von 1,0 Prozent auf 1,25 Prozent angehoben.

Ein leichtes Anziehen der Preise habe die Verbraucher wahrscheinlich zur Zurückhaltung veranlasst, sagte Greenspan. Dies sei aber vor allem auf kurzlebige Faktoren wie die hohen Ölpreise zurückzuführen gewesen. Die Kernrate des Verbraucherpreisindex, ohne Energie und Nahrungsmittel, werde in diesem Jahr um 1,5 bis 2 Prozent steigen.

Mit Hinweis auf die Ankündigung der US-Notenbank (Fed) von Ende Juni, die Geldpolitik voraussichtlich in "gemäßigtem Tempo" zu straffen, sagte Greenspan, die Fed werde entsprechend der Erfordernisse reagieren, um die Inflation unter Kontrolle zu halten. "Nicht nur die wirtschaftliche Aktivität hat sich beschleunigt, sondern die Expansion ist breiter angelegt und hat nennenswerte Beschäftigungszuwächse gebracht", sagte Greenspan.

Die US-Aktienmärkte reagierten auf die Äußerungen des Fed-Chefs mit Kursgewinnen, dagegen verloren US-Staatsanleihen an Boden. Der Dollar reagierte zum Euro kaum. (APA/dpa/Reuters)

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