Armenier protestieren gegen Besuch Erdogans in Paris

21. Juli 2004, 18:29
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Türkischer Ministerpräsident: Anerkennung des Armenier-Genozids kein Kriterium für Aufnahme in die EU

Paris - Für den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan ist die Anerkennung eines an den Armeniern begangenen Völkermordes durch die Türkei kein Kriterium für eine Aufnahme des Landes in die EU. Diese Frage sollten besser Historiker beantworten, erklärte Erdogan am Dienstag bei einer Pressekonferenz anlässlich seines Besuchs in Paris.

Die Kopenhagener Kriterien, so Erdogan, die die Voraussetzungen für eine Aufnahme eines Landes in die Europäische Union festlegen, beinhalteten keine Anerkennung eines Genozids an den Armeniern. Ein Ereignis, das in der Vergangenheit geschehen sei, und die Frage, welche Seite was getan habe, sollte man den Historikern überlassen. Jetzt gelte es, eine Zukunft aufzubauen und sich nicht "mit dem leeren Teil des Glases" zu beschäftigen.

In Frankreich, wo eine große Gemeinschaft von Armeniern in der Diaspora - rund 450.000 Menschen - lebt, verlangen zahlreiche Politiker, dass die Türkei anerkennt, dass im Jahr 1915 vom Osmanischen Reich ein Völkermord an den Armeniern verübt wurde. Insbesondere die oppositionelle Sozialistische Partei (PS) fordert, einen solchen Schritt zur Bedingung für eine Aufnahme des Landes in die EU zu machen.

Die Türkei weist jedoch kategorisch die "Völkermord-These" im Zusammenhang mit den Armenier-Massakern während des Ersten Weltkriegs zurück. Als das französische Parlament 2001 ein Gesetz verabschiedete, in dem der Genozid an den Armeniern anerkannt wird, zeigte sich Ankara höchst verärgert.

Am Dienstag protestierten rund 2.000 Personen, die einem Aufruf mehrerer armenischer Organisationen gefolgt waren, gegen den Besuch des türkischen Regierungschefs in Paris.

Bei den von den Osmanen an den Armeniern begangenen Massakern starben nach armenischen Angaben etwa 1,5 Millionen Menschen. Die Türkei geht von etwa 200.000 Toten aus. Der österreichische Schriftsteller Franz Werfel beschrieb die damaligen Ereignisse in seinem Roman "Die 40 Tage des Musa Dagh". (APA)

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