Spanische Polizei ließ heiße Spur vor Bombenanschlag erkalten

21. Juli 2004, 22:14
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Informant berichtete ein Jahr vor 11. März 2004 von Sprengstoffdeal

Madrid - Die spanische Polizei hat rund ein Jahr vor den Bombenanschlägen vom 11. März in Madrid eine heiße Spur ignoriert. Ein Informant habe der Polizei schon Anfang 2003 mitgeteilt, dass ein Mann namens "Emilio" in der nördlichen Provinz Asturien rund 150 Kilogramm des Sprengstoffes Goma 2 Eco verkaufen wollte, sagte Felix Hernando Martin, Oberst der Zivilgarde, am Montag vor dem Untersuchungsausschuss zu den Anschlägen. Genau diese Art von Sprengstoff wurde am 11. März eingesetzt.

Die Polizei habe im vorigen Jahr ihre Nachforschungen eingestellt, weil es keine Verbindungen zwischen dem Dynamit und möglichen Terrorattacken gegeben habe, ergänzte der Polizeioffizier. In Spanien gebe es einen großen Schwarzmarkt für Sprengstoff, der meist für Fischfang oder die illegale Erschließung von Bauland eingesetzt werde.

Das Material habe der Anbieter in einer Mine gestohlen, in der er einmal gearbeitet habe, hieß es weiter. Emilio Suarez Trashorras wurde später unter dem Verdacht festgenommen, das Material an die mutmaßlichen islamistischen Attentäter geliefert zu haben.

Der Informant, Rafael Zouhier, kontaktierte den Angaben zufolge die Polizei erneut am 16. März, also fünf Tage nach den Anschlägen, als er einige der Verdächtigen im Fernsehen wieder erkannte. Zouhier wurde später wegen des Verdachts auf Zusammenarbeit mit einer bewaffneten Gruppe festgenommen.

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss nahm am 6. Juli seine Arbeit auf. Er soll untersuchen, wie die Sicherheitskräfte und die konservative Regierung die Krise handhabten. Bei den Anschlägen in Madrid starben 190 Menschen, über 2000 wurden verletzt. (APA/AP)

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