Fiat muss seine Beteiligungen verkaufen

28. Juli 2004, 11:42
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Sanierungsplan des angeschlagenen Autokonzerns hält nicht - Drei Milliarden werden noch gebraucht

Mailand - Der bisher verbreitete Optimismus über die Geschäftsentwicklung beim angeschlagenen Autokonzern war übertrieben. Der Sanierungsplan muss erneut revidiert werden. Die für Ende 2004 in Aussicht gestellte operative Gewinnschwelle ist fraglich.

Der erst seit wenigen Wochen amtierende CEO Sergio Marchionne wird am 26. Juli die detaillierten Halbjahresergebnisse und mögliche Zieländerungen bekannt geben. Sicherlich machte der durch Streiks bedingte Produktionsausfall von rund 40.000 Pkw im süditalienischen Fiat-Werk von Melfi einen Strich durch die Rechnung der Fiat Manager. Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, habe der kürzlich gefeuerte Geschäftsführer Giuseppe Morchio jedoch die Quartalsergebnisse "aufgerundet", damit sie im Einklang mit dem von ihm lancierten Sanierungsplan stünden.

Drei Milliarden Euro fehlen

Fiat benötigt weitere drei Mrd. Euro, um die Krise zu überwinden. Eine weitere Kapitalaufstockung wird vom Unternehmen ausgeschlossen. Bereits in den letzten zwei Jahren habe die Unternehmerfamilie Agnelli über ihre Finanzholding Ifi mehrere Mrd. in das Unternehmen gesteckt, nun sei Ifi nicht mehr bereit, weiteres Kapital in Fiat zu pumpen.

Auch der Partner von Fiat Auto, General Motors (GM), zeigt keinerlei Anzeichen um bei der 2002 beschlossenen Kapitalaufstockung mitzumachen.

Nun steht der Verkauf von weiteren Fiat-Beteiligungen, wie etwa der Kfz-Teilefabrik Magneti Marelli und dem Roboterbauer Comau zur Diskussion. Verhandlungen mit Private Equity Gesellschaften seien weit fortgeschritten. In den nächsten Wochen müssen sich auch die acht italienischen und internationalen Großbanken entscheiden, ob sie ihr Darlehen von drei Mrd. Euro ab 2005 in Fiat-Anteile wandeln wollen. Dadurch würden die Banken zum Hauptaktionär avancieren und die Unternehmerfamilie Agnelli ihre Anteile von derzeit 30 Prozent auf rund 20 Prozent senken. "Wenn der Sanierungsplan eingehalten wird, dann sind wir auch bereit, weitere Darlehen zu geben", sagte der Chef der Banca Intesa kürzlich zum STANDARD. (DER STANDARD Printausgabe 21.07.2004)

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand
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