Dutzende Tote in ukrainischem Bergwerk

21. Juli 2004, 09:29
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Zwölf Bergleute überlebten Methangasexplosion - Bergung durch Brand erschwert

Das Kohlebergwerk Krasnolimanskaja nahe der südukrainischen Stadt Donezk gilt unter Bergleuten als besonders gefährlich. 13 Kumpel starben dort bei vier Unfällen in den letzten dreieinhalb Jahren. Was sich aber am Montagabend ereignete, überstieg die bisherigen Tragödien um ein Vielfaches. Bei einer Methangasexplosion und einem anschließenden Großbrand kamen mindestens 31 Männer ums Leben.

48 Kohlearbeiter waren in den Schacht eingefahren; zwölf konnten sich nach der Katastrophe unversehrt an die Oberfläche retten. Im Laufe des Dienstags wurden 31 Männer tot geborgen, das Schicksal von fünf weiteren war vorerst nicht bekannt. Experten gaben ihnen so gut wie keine Überlebenschancen.

Der Brand konnte bis Dienstagnachmittag noch nicht unter Kontrolle gebracht werden, überhaupt wurde die Arbeit der Einsatzmannschaften schwer behindert: So liegt einerseits die Unglücksstelle 997 Meter tief unter der Erde, andererseits brachen infolge der Explosion Stollen ein.

Darüber hinaus sorgte der Brand für starke Rauchgasentwicklung sowie große Hitze, zudem befürchten die Rettungsmannschaften neue Explosionen. Insgesamt arbeiteten an der Unglücksstelle 250 Bergungsleute aus dem Energieministerium sowie 20 Rettungsmannschaften.

Erfolgreiche Mine

Das Bergwerk Kransnolimanskaja gilt mit täglich 10.000 Tonnen Kohle Fördermenge als eines der erfolgreichsten in der Region. Das nördlich des Asowschen Meeres gelegene Schwerindustriegebiet Donbass, das sich bis nach Russland erstreckt, ist auf weite Strecken von der Kohleförderung abhängig - und vom Oligarch-Monopolisten Rinat Achmetow; dessen politischer Arm ist der möglicherweise ab Herbst neue Präsident Viktor Janukowitsch.

Dass Kumpel überhaupt in die Schächte, die alle aus der Sowjetzeit stammen und deren Förder- und Sicherheitstechnik verschlissen ist, einfahren, ist vor allem in der prekären Arbeitsplatzsituation der Region begründet. In der gesamten Ukraine sind derzeit ca. 180 Gruben in Betrieb, für die meisten von ihnen gilt gerade hinsichtlich Methangasexplosionen offiziell erhöhte Gefahrenstufe. (Eduard Steiner/DER STANDARD; Printausgabe, 21.7.2004)

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