Exporterholung im Sog Deutschlands

28. Juli 2004, 13:07
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Boomende Weltwirtschaft, deutsche Exportzuwächse - Die heimische Industrie profitiert mit vollen Auftragsbüchern - mit Infografik

Wien - Den allermeisten Industriesparten geht es derzeit blendend, die Auftragsbestände erreichen wieder Werte wie zu Zeiten der letzten Hochkonjunktur. Aufgrund des robusten Exportwachstums in Deutschland haben Bankenvolkswirte die Wachstumsprognose für die Eurozone im heurigen Jahr soeben von 1,6 auf 1,8 Prozent leicht angehoben. Doch die pessimistischen Stimmen wollen nicht verstummen. Nach drei Stagnationsjahren ist Optimismus Mangelware. Wann reißt der Aufschwung wieder ab, fragen sich Hersteller und Analysten in der Hightech-Branche.

Weltwirtschaft brummt

Ob die Bullen oder Bären Recht behalten werden, wie Börsianer sagen würden, ist derzeit kaum abzuschätzen. Die Weltwirtschaft brummt mit Wachstumsraten von bis zu sieben, acht, neun Prozent in Asien. Gleichzeitig erwarten Experten derzeit keine weiteren Zinserhöhungen in den USA. Der Grund: Der USA-Aufschwung dürfte doch nicht so kräftig ausfallen, wie bisher gemutmaßt.

Die neue Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) sowie der Konjunkturtest des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) passen perfekt ins Bild. Die Beurteilung der gegenwärtigen Geschäftslage fällt sehr positiv aus, die Zukunftserwartungen bleiben gedämpft. Der IV-Konjunkturbarometer hat sich daher seit dem Frühjahr nur marginal von 26,3 auf 26,9 Punkte verbessert. "Es fehlt noch an nachhaltigem Konsumentenvertrauen", sagt IV-Chefökonom Erhard Fürst.

Schwacher Konsum

Das Exportwachstum allein macht noch keinen Aufschwung, sagt auch Wifo-Konjunkturexperte Markus Marterbauer. "Ein Grundoptimismus ist gerechtfertigt. Aber erst wenn Investitionen und Konsum anspringen, wird man wirklich von einem Konjunkturaufschwung reden können", so Marterbauer. Auch in Deutschland läuft derzeit alles über den Export, der vom US-Wachstum profitiert. Und auch in Deutschland bleibt die Binnennachfrage die große Unbekannte.

Der scheidende IV-Generalsekretär Lorenz Fritz mahnte am Dienstag vor überbordenden Lohnabschlüssen. Über die hohen Ölpreise importierte Inflation könne nicht über die Löhne ein zweites Mal den Betrieben angelastet werden. Das Thema Arbeitszeitverlängerung/-flexibilisierung werde in den Lohnrunden aber ein zentrales sein. Ob damit das Konsumentenvertrauen nachhaltig gestärkt wird, darf bezweifelt werden. Viel eher könnte dazu eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt beitragen, sagen Experten.

Üblicherweise erholt sich der Arbeitsmarkt aber erst mit einer Zeitverzögerung von rund einem halben Jahr nach einem Konjunkturaufschwung, der Wachstumsraten von 2,5 Prozent und mehr aufweist.

Solch ein Wirtschaftswachstum erwarten Wifo und Institut für Höhere Studien jedoch erst für das kommende Jahr. Dafür könnte nun der jahrelange Beschäftigungsabbau in der Industrie langsam zu Ende gehen, zeigt die Konjunkturumfrage. Tatsächlich weist die Beschäftigungsstatistik für die Sachgüterproduktion für Februar und März wieder leichte Zuwächse aus. (Michael Bachner, DER STANDARD Printausgabe 21.07.2004)

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