Wissen: Apostolische Visitation

2. September 2004, 18:47
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Erst wenn vom Papst schwere Missstände in einem Bistum vermutet werden, wird dieser Schritt gesetzt

Eigentlich sind Visitationen Teil der kirchlichen Routine: Die Pfarren werden regelmäßig von ihrem Bischof - oder einem seiner Vertreter - besucht, klösterliche Gemeinschaften erhalten in gewissen Abständen Besuch aus Rom. Ziel dieser "gewöhnlichen" Visitationen ist es, die Gemeinschaften in ihrem pastoralen Eifer zu bestärken oder für kleinere Kurskorrekturen zu sorgen.

Eine apostolische Visitation - wie sie nun vom Papst für die Diözese St. Pölten angeordnet wurde - gilt hingegen als eine außergewöhnliche Maßnahme. Erst wenn vom Papst schwere Missstände in einem Bistum vermutet werden, wird dieser Schritt gesetzt, der als eine offizielle Misstrauenserklärung an die Amtsführung des betroffenen Ortsbischof verstanden werden kann.

Weitreichende Vollmachten

Der Visitator hat weit reichende Vollmachten: Vom Diözesanbischof dürfen keine Entscheidungen mehr selbständig getroffen werden, die gesamte Amtsführung sowie alle diözesanen Einrichtungen werden im Auftrag des Papstes geprüft. Die Funktion des Visitators wird von kirchlichen Insidern als "Kontrolleur mit umfassenden Vollmachten" beschrieben. Verantwortlich ist der Visitator nur dem Papst, sein Bericht ist der erste Schritt für weitere mögliche Maßnahmen.

Die letzte apostolische Visitation in Österreich fand 1998 im Zuge der Affäre Groer im Stift Göttweig statt. Über das Ergebnis wurde die Öffentlichkeit nicht informiert. (APA, kpf/DER STANDARD; Printausgabe, 21.7.2004)

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