Flutkatastrophe in Südasien: Lage verschärft sich

21. Juli 2004, 09:35
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Flughäfen überschwemmt - Situation mehrerer Millionen Obdachloser immer kritischer

- Das katastrophale Hochwasser in Südasien hat weitere Dutzende Menschen in den Tod gerissen, mehrere Flughäfen überschwemmt und wieder Hunderttausende in die Flucht getrieben. Die Lage mehrerer Millionen Obdachloser wurde immer kritischer. Große Ströme wie der Ganges und der Brahmaputra drohen in Bangladesch und Indien weiter anzusteigen. In China stieg die Zahl der Getöteten bis Dienstag stark auf rund 500 an.

In Bangladesch wurde am Dienstag rund ein Viertel des Landes als überflutet gemeldet. Im Norden des Landes, wo die erstmals mehr als 100 Tote gemeldet wurden, mussten am Montagabend Flughäfen, Straßen und Bahnverbindungen geschlossen werden. "Boote sind auf der Landebahn des Flughafens von Sylhet unterwegs", sagte ein Luftfahrtbeamter. Das Geschäfts- und Schulleben kam zum Erliegen.

Noch dramatischere Ausmaße befürchtet

Vier Millionen Menschen sind in Bangladesch seit rund einer Woche auf der Flucht vor dem Hochwasser, eine weitere Million ist eingeschlossen in von Wasser umschlossenen Dörfern. Mit Hubschraubern brachte die Armee Kekse und Tabletten zur Desinfektion von Trinkwasser zu den Opfern.

Katastrophenschützer befürchten, dass die Ströme Brahmaputra, Ganges und Meghna in den kommenden Tagen gleichzeitig weiter ansteigen werden und die Katastrophe dadurch noch weit dramatischere Ausmaße annimmt.

Naturreservate bedroht

In Indien, wo bisher mindestens 200 Menschen in den Fluten starben und Millionen obdachlos sind, bedroht das Hochwasser zunehmend auch Naturreservate. Über 230 Tiere starben binnen einer Woche im staatlichen Orang Nationalpark. Nashörner, Büffel, Hirsche und Wildschweine ertranken oder wurden auf der Flucht vor dem Hochwasser von Wilderern erschossen.

Im Südwesten und anderen Regionen Chinas wurden am Dienstag weitere Dutzende Menschen in den Fluten getötet oder noch vermisst. Springfluten und Erdrutsche rissen allein in der Stadt Nanning in der Autonomen Region Guangxi zwölf Menschen in den Tod, berichtete der China Nachrichtendienst. Weitere 100.000 Menschen wurden in der zentralchinesischen Provinz Hunan in Sicherheit gebracht. Das Agrarland und die Infrastruktur von 2,7 Millionen Menschen sind hier bereits zerstört oder stark in Mitleidenschaft gezogen.

Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao wies die Behörden an, "umfassende Vorbereitungen" für eine mögliche Verschärfung der Lage Ende Juli und im August zu treffen. (APA/dpa)

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