Annan fordert erhöhten Druck auf Khartum

22. Juli 2004, 09:34
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Keine Fortschritte in Krisenregion Darfur

New York - UNO-Generalsekretär Kofi Annan sieht ungeachtet der Zusagen des sudanesischen Regimes kaum Fortschritte in der Krisenregion Darfur, die Schauplatz einer Flüchtlingstragödie unvorstellbaren Ausmaßes ist. Deshalb sei es wichtig, dass die internationale Gemeinschaft jetzt mehr Druck auf die Machthaber in Khartum ausübt. "Der (UNO-)Sicherheitsrat muss der Regierung klar machen, was er von ihr erwartet", sagte Annan am Montagabend in New York auf die Frage nach Sanktionen.

Annans Sprecher Fred Eckhard stellte fest, dass die Regierung bisher nichts unternommen habe, um der schwarzen Bevölkerung in Darfur Sicherheit und Schutz zu bieten. So sei die Zahl der Vertriebenen im vergangenen Monat um zusätzliche 100.000 auf weit über eine Million gestiegen. Die Regierung hatte sich nach den Besuchen von Annan und US-Außenminister Colin Powell zur Entwaffnung der berittenen arabischen Janjaweed-Milizen verpflichtet, die die schwarzafrikanische Bevölkerung terrorisieren und systematisch vertreiben. Nach verschiedenen berichten werden die Milizen in die Armee und Polizei integriert. Nach Angaben der Vereinten Nationen flohen etwa 200.000 Menschen in den Nachbarstaat Tschad; teilweise wurden sie von den Milizen über die Grenze verfolgt. Bis zu 30.000 Menschen wurden nach UNO-Schätzungen bisher getötet, Hunderte von Dörfern von den Milizen niedergebrannt. Die systematische Entvölkerung hängt offenbar mit den Erdölreserven der Region zusammen.

Bestandsaufnahme

Der UNO-Sonderbeauftragte für den Sudan, Jan Pronk, wird den Weltsicherheitsrat voraussichtlich am Mittwoch über die Lage in der westsudanesischen Provinz unterrichten. Pronk hatte vergangene Woche Gespräche mit Delegierten des Sudan und der US-Regierung in Khartum geführt. Die erste Bestandsaufnahme ergab, dass der Sudan zwar den Zugang für humanitäre Helfer in die Krisenregion erleichtert, die Sicherheitssituation entgegen seiner Zusage aber bisher nicht verbessert hat. Die nächste Überprüfung der Lage soll am 2. August stattfinden. (APA/dpa)

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